Vegane Dünger im Preisvergleich

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Auch wenn die Anbausaison in Mitteleuropa langsam zu Ende geht, diese Frage hat jederzeit Hochsaison: „Wie düngt man denn nun im veganen Garten?“

Vegane Dünger im TV

Die Gartensendung „Querbeet“ des Bayerischen Rundfunks hat daher dem Thema am 7.10.2016 einen Beitrag gewidmet, für Endverbraucher*innen infrage kommende, im Einzelhandel erhältliche vegane Streu- und Flüssigdünger näher angeschaut und erklärt, warum es sich lohnt Kleegras-Silage und Ackerbohnenschrot selbst herzustellen.

Zur Erinnerung: als vegane, pflanzliche oder vegetabile Düngemittel werden solche bezeichnet, bei denen die organische Komponente aus pflanzlicher Herkunft (z.B. pflanzliche Abfallstoffe aus der Lebensmittelverarbeitung) stammen. Solche Streudünger enthalten zudem meist noch eine mineralische Komponente, z.B. Rohphosphat oder Gesteinsmehl um das Düngemittel zum Komplettdünger abzurunden.

Bio-Dünger sind meist nicht vegan

Bei Bio-Düngern stammt die organische Komponente in der Regel aus nicht-pflanzlicher Herkunft, sondern sind Tierausscheidungen (z.B. Hühnertrockenkot, Schweinemist, Rinderdung oder Pferdeäpfel) oder Reste der Tierkörperverwertung (z.B. Horn-, Klauen- oder Federmehle), meist aus konventioneller Haltung (dies ist laut Verordnung (EG) Nr. 834/2007 [EU-Öko-Verordnung], sowie teilweise in den strengeren Anbaurichtlinien der Bio-Anbauverbände zulässig).

Aufgrund von Deklarationsvorschriften ist für Endverbraucher*innen nicht immer eindeutig herauszufinden, ob ein Düngemittel tatsächlich keine tierliche organische Düngekomponente enthält, und meist wird bei organischen Düngern nur mit Begriffen wie „natürlich“ oder „nachhaltig“ geworben.
Doch im allgemeinen Vegan-Trend haben sich einige Hersteller auf dieses neue Kundenbedürfnis eingestellt und bieten mittlerweile pflanzlich-organische Düngemittel an. Allerdings muss man auch hier bis auf Weiteres den Herstellerangaben vertrauen (vgl. unser Artikel zur Vegan-Definition), zudem stammen auch diese pflanzlichen Komponenten in der Regel nicht aus biologischer Herkunft, was aber ebenfalls im Bio-Anbau zulässig ist.

Vegane Dünger sind nicht neu

Im „Querbeet“-Beitrag wird recht deutlich erklärt, dass vegane Düngemittel im Bio-Gemüsebau jedoch kein neuer Trend sind, sondern als kostengünstige, regionale oder am besten betriebseigene pflanzliche Stickstoff-Quellen für die Nährstoffversorgung der Kulturpflanzen von jeher Anwendung finden.

Das Angebot bei den vegan-deklarierten Handelsdüngern für Endverbraucher*innen ist mittlerweile recht vielfältig. Es gibt flüssige und feste Dünger, das organische Ausgangsmaterial kann aus Kakaoschalen, Vinasse (Verarbeitungsabfallstoff der Zucker-Herstellung), Malzkeimen (Abfallstoff der Bioproduktion), Olivenkernen oder anderem bestehen. Neben dem Preis pro kg Düngemittel variieren zudem die Nährstoffgehalte dieser Volldünger.

Wissen, was drin ist

Als Voll-, Mehr-Nährstoff- oder Komplettdünger bezeichnet man sogenannte NPK-Dünger, die im wesentlichen die Pflanzen-Nährstoffe Stickstoff (chemisches Elementarzeichen: N), Phosphor (P) und Kalium (K) enthalten. Der Gehalt dieser Nährstoffe an der Gesamtmenge wird im sogenannten NPK-Verhältnis dargestellt, welches auf der Packung z.B. so geschrieben sein kann: 13-3-2 (manchmal auch 13/3/2). Die Ziffernfolge sagt, dass 1kg Dünger 13% Stickstoff (also 130g), 3% Phosphor (also 30g gemessen in P2O) und 2% Kalium (also 20g gemessen in K2O) enthalten.

Aus diesem Wissen kann man leicht errechnen, wieviel man bei einem Düngemittel z.B. für den darin enthaltenen Stickstoff (gemessen in € je kg) bezahlen muss, denn der Stickstoffpreis ist für Erwerbsbetriebe eine relevante ökonomische Größe. Aber auch für Endverbraucher*innen ist es gut ihn zu wissen, um den Aufwand des Selbstmachens preislich mit dem schnellen Einkauf zu vergleichen.

Der „Querbeet“-Beitrag weist darauf hin, dass dieser Stickstoffpreis bei den am Markt verfügbaren veganen Düngern a) stark variieren und b) bisweilen sehr hoch sein kann. Hierzu sei allerdings gesagt, dass pflanzlich gebundener Stickstoff auf lange Sicht hin immer teurer sein wird als Stickstoff aus Tierexkrementen, der aufgrund des großen Angebots sehr günstig sein kann. Zumal kleine Gebinde ohnehin in der Regel teurer sind.

Für große Flächen preislich meist nicht geeignet

Wie hoch der Stickstoffpreis für die dargestellten auf Endverbraucher*innen zugeschnittenen Handelsprodukte ist, zeigt der Beitrag im Einzelnen nicht auf. Wir haben uns daher die Mühe gemacht, diesen für die im Beitrag gezeigten Produkte auszurechnen und tabellarisch aufzulisten. Wir beziehen uns dabei auf die in der Querbeet-Sendung genannten Preise, Packungsgrößen und Nährstoffgehalte und übernehmen keine Gewähr für evtl. falsche Zahlen. Reale Verkaufspreise können variieren.

Stickstoffpreise veganer Dünger

HandelsnamePreis je kg DüngerNPK-VerhältnisMenge N je kg DüngerStickstoffpreis dieses Düngers in €/kg NBemerkungen
MALTAflor3,00€5-3-550g60€Webseite: http://maltaflor.de/
Bio-Bloom11,97€2-7-420g589,50€Spezial-Flüssigdünger für Blühpflanzen
Veggie Dünger12,53€5-3-650g250,6€Webseite: http://www.neudorff.de/
Veganer Dünger9,24€5-3-650g462€identisch mit Veggie Dünger; Webseite: http://aries.de/
Blümchenfutter9,99€2-1-420g499,50€Flüssigdünger auf Kakaoschalen-Basis; Webseite: http://greenlab.berlin/
Ackerbohnen1,30€4,7-0,7-1,547g27,65€
Alle Angaben lt. Sendung "Querbeet" vom 7.10.16, ohne Gewähr

Da stellt sich natürlich die Frage, ob die Verwendung von diesen Handelsdüngern aus preislicher Sicht empfehlenswert ist?

In bestimmten Situationen schon, denn erstens heißt das nicht, dass die im Gartenhandel erhältlichen nicht-veganen Nicht-Bio-Dünger zwangsläufig billiger sind und es Anwendungssituationen gibt, in denen ihr Einsatz sinnvoll sein kann. Z.B. wenn es nicht möglich ist, selbst Dünger herzustellen oder aber nur kleine Mengen erforderlich sind, z.B. in Balkongärten. Als kaliumreicher Dünger eignet sich Bio-Bloom z.B. insbesondere für Blühpflanzen oder zur Düngung mit dem Gießwasser. Zudem kann man durch den Kauf größerer Verpackungseinheiten den Preis vermutlich nochmal etwas nach unten drücken.

Sobald man jedoch eine größere Gartenfläche bewirtschaftet und über mehr Wissen und Zeit verfügt, empfiehlt sich die Herstellung eigener fester oder flüssiger Dünger.

In jedem Fall erweitern vegane Handelsdünger das allgemeine Angebot und erhöhen damit auch in den Gartenbau-Abteilungen der Baumärkte die Wahlfreiheit für Veganer*innen.

 Selbst herstellen spart Kosten

Der längere, praxisorierentierte Teil des Beitrags zeigt schließlich, wie man

Bild einer Ackerbohnen-Pflanze

Eine Ackerbohnen-Pflanze (Quelle Rasbak – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=116072)

mit Rasenschnitt und geschroteten

Ackerbohnen ganz einfach seinen garteneigenen Dünger selbst herstellen kann. Im Blog von Susanne Heine, Autorin von „Peaceful gardening – biovegan gärtnern, das Praxisbuch„,  kann man zudem nachlesen, wie man Brennessel- und Beinwell-Jauche selbst ansetzt.

Ebenfalls empfehlenswert für bio-vegane Gartenpraxis sind die Webseiten My vegan garden  und Veganer-Garten.de – Gärtnern im Biotop (www.facebook.com/VeganerGarten/), die den Hinweis zu diesem interessanten Fernsehbeitrag lieferten.

Der Beitrag kann in der Mediathek auch bewertet werden.

Bio-Ackerbohnenschrot zu 1,00 €/kg (zzgl. Versandkosten) g im 20kg-Sack gibt es übrigens z.B. hier, lokale Bezugsquellen sollten jedoch bevorzugt werden.

Wichtiger Anwendungshinweis: auch bei veganen Bio-Düngern unbedingt den Ausbringungsempfehlungen folgen und kultur- bzw. saisonangepasst düngen. Auch Bio-Dünger können zu hohen Nitratbelastungen in Boden, Pflanze und Grundwasser führen.

Zudem können flüssige oder streufähige Düngemittel regelmäßige Kompostgaben und andere primäre Quellen der Bodenfruchtbarkeit nicht ersetzen, sondern nur ergänzen und sollten daher nur punktuell eingesetzt werden.

Weitere biologische und vegane Handelsdünger finden Sie in unserem dazugehörigen Forumsbeitrag. Dort können Sie uns auch gerne über einen bisher noch nicht gelisteten veganen Dünger informieren, gerne auch per E-Mail über unser Kontaktformular.

Autor*in des Artikels: Daniel Mettke

Dipl. Ing. (FH) für Ökologische Landwirtschaft und seit ca 2003 aktiv im BVN. Ich bin aktiv für bio-veganen Anbau und blogge auf biovegan.org über Aktivitäten des BVN und nahestehende, landbaubezogene Themen.

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