Vegan zertifizierte Bio-Früchte ab 2017 erstmals im LEH

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Mit Beginn 2017 wird erstmalig biozyklisch-vegan zertifiziertes Obst und Gemüse aus Griechenland im deutschsprachigen Lebensmittel-Einzelhandel erhältlich sein. Dieses Bild zeigt drei Label, die auf bio-vegane Produktion hinweisenDamit kommen baldmöglichst Verbraucher*innen erstmals in den Genuss von Lebensmitteln, deren Bio-Anbaustandards die Nutzung von tierischen Düngern (z.B. Mist, Gülle, Hornspäne, Blutmehl etc.), in der Produktion, sowie die kommerzielle Haltung von sogenannten landwirtschaftlichen Nutztieren explizit und transparent kontrollierbar verbietet.

Wie der Geschäftsführer von BNS Biocyclic Network Service Ltd., Dr. Johannes Eisenbach in einer Mitteilung von vergangener Woche schrieb, seien nun auch die veganen Aspekte im Anbau durch die zuständige Öko-Kontrollstelle (das Schweizerische Kontroll- und Zertifizierungsinstitut bio.inspecta) kontrollierbar. Bei den ersten Produkten, die mit dem Begriff „biozyklisch-vegan“ gelabelt in den Supermärkten in Deutschland und Österreich zu kaufen sein werden, wird es sich um Orangen, Clementinen, Zitronen, Granatäpfel, Kiwis, Cherry-Tomaten und Olivenöl handeln.

BNS Biocyclic Network Services organisiert für rund 800 griechische Oliven-, Obst- und Gemüsebetriebe die Vermarktung ihrer Bio-Produkte in den deutschsprachigen Raum. Etwa 100 dieser Betriebe wirtschafteten bisher nach Biozyklischen Richtlinien, einen Naturland-konformen Anbaustandard, der schon zuvor die Haltung von Tieren und Nutzung ihrer Ausscheidung im Gemüsebau ausschloss, im Obstanbau jedoch noch erlaubte. Die neuen vegan ausgerichteten biozyklischen Anbaustandard, die im Verlauf des vergangenen Jahres mit inhaltlicher Unterstützung von Mitarbeiter*innen des Bio-Veganen Netzwerks und des Bundes für Vegane Lebensweise, des Vegetarierbundes Deutschland und der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt formuliert wurden, verbieten die sogenannte kommerzielle „Nutztierhaltung“ und die Verwendung von daraus stammender tierischer Stoffe (z.B. zum Zweck der Düngung) weitestgehend.

Im Wortlaut der Erklärung, die die Bäuerinnen und Bauern als zusätzliche Anforderung ab sofort zu unterzeichnen haben, heißt es:

Hiermit erkläre ich, dass …

 

…ich im Rahmen der biozyklisch-veganen Richtlinien über das Verbot des Einsatzes von tierischem Dung
sowie anderer Pflanzenernährungs- bzw. Pflanzenschutzpräparate tierischen Ursprungs oder Präparaten
mit Bestandteilen tierischen Ursprungs informiert wurde.

 

…ich ausschließlich Präparate aus der GRÜNEN LISTE mit der Angabe „Geeignet für den Einsatz im
Rahmen des biozyklisch-veganen Anbaus“ in ihrer jeweils aktuellsten Version einsetze.

 

…ich im Falle, dass ich beabsichtige, ein nicht in der Grünen Liste aufgeführtes Präparat zu verwenden,
rechtzeitig vor dem geplanten Einsatz den Anbauberater informieren und seine Genehmigung abwarten
werde, andernfalls werde ich das von mir vorgeschlagene Präparat nicht einsetzen.

 

…ich Dung von Tieren, die sich zwar eventuell auf meinem Betriebsgelände befinden, aber nicht zum
Betriebseinkommen beitragen, an einem gesonderten Ort unter regelmäßigem Wenden und Verwendung
anderer Ausgangsmaterialien pflanzlichen Ursprungs kompostieren werde, so dass der Anteil an
tierischem Dung am fertigen Kompost maximal ein Drittel des Gesamtvolumens beträgt, und dass ich
diesen Kompost nur unter bestimmten, dem Anbauberater bekanntgegebenen Bäumen, nicht aber im
Gemüseanbau einsetzen werden.

Tierhaltung ist nach den neuen biozyklisch-veganen Richtlinien nur dann erlaubt, wenn die Tiere auf dem Betrieb nicht ökonomisch ausgebeutet werden und die Haltungs-Obergrenze von 0,2 Großvieheinheiten (GV, 1 GV entspricht etwa einer Kuh) pro Hektar Betriebsfläche nicht überschreitet. Damit orientiert sich der biozyklisch-vegane Anbau an der in der Landwirtschaft üblichen Definition, bis zu welcher Tierbestandsgröße ein Betrieb als „viehlos“ zu betrachten ist. Die Schlachtung und der Verkauf dieser Tiere ist für biozyklisch-vegane Betriebe verboten.

Der Wirtschaftsdung, der in Außnahmefällen anfallen kann, muß unter strengen Maßgaben behandelt werden und darf nur sehr restriktiv in Baumkulturen eingesetzt werden.

Das Bild zeigt Hügelbeete mit Hokkaidopflanzen

Biozyklisch-vegan angebauter Hokkaido in Kalamata, Ende Oktober 2016

Die Düngung hat stattdessen weitestmöglich mit hofeigenen, bzw. verbandseigenen pflanzlichen Düngemitteln zu geschehen. Im Zentrum der biozyklisch-veganen Praxis steht die Bodendüngung durch die Verwendung von intensiv kompostierter pflanzlicher Biomasse nach dem Konzept des deutschen Bio-Landbaupioniers und Begründers des Walsroder Bio-Modells Adolf Hoops (1932-1999). In Griechenland hat sich biozyklische Humuserde bewährt, deren Rohstoffe Oliventrester und Olivenlaub bei der Verarbeitung und Pressung von Oliven anfallen. Diese weißt die Qualität von auswaschungssicherem Dauerhumus auf und ist in der Lage Kulturen über Jahre hinweg mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen.

Die biozyklisch-veganen Richtlinien befinden sich zudem gerade im Revisionsprozess, um bei der IFOAM, dem Weltverband des Ökologischen Landbaus, als eigenständiger und erster explizit „nutztierfreier“ Anbaustandard in die Family of Standards aufgenommen zu werden. Dieser Akkreditierungsprozess wird mit der offiziellen Aufnahme durch die IFOAM auf der BioFach 2017 voraussichtlich abgeschlossen sein.

Danach wird der biozyklisch-vegane Anbaustandard über die nationalen Kontrollinstitutionen auch  global für alle Betriebe zertifizierbar, die bereits „viehlos“ biologisch wirtschaften oder ihren Betrieb dahingehend umzustellen möchten. Doppelzertifzierungen mit anderen Verbandsrichtlinien sind, solange sie nicht die Tierhaltung explizit erfordern, möglich.

Das Biozyklisch-Vegane Netzwerk und das griechische Organic Marketing & Export Network (O.M.E.N.) ist seit Jahrzehnten ein erfahrener Partner des deutschen Lebensmittel-Einzelhandels. Mitglieder des Biozyklischen Netzwerks produzieren u.a. ausgezeichnetes Olivenöl.

Bio-veganer Landbau stellt eine Wirtschaftsweise dar, bei der Lebensmittel auf möglichst zukunftsfähige Weise im Sinne eines Umwelt- und Naturschutzes und der sozialen Verantwortung, sowie unter Berücksichtigung eines anderen Mensch-Tier-Verhältnisses angebaut werden, bei dem landwirtschaftliche Tiere nicht als Produktionsfaktor ökonomisch ausgebeutet werden.

Anders als die häufig auf Lebensmitteln zu findende Bezeichnung „bio vegan“, die biologische Prozessqualität und vegane Produktqualität ausweist, setzt der bio-vegane Anbau bereits ab Feld an, um biologische und vegane Anbauprodukte zu erzeugen. Auf Betriebsmittel, die in Verbindung Tierleid  und -ausbeutung (z.B. Gülle, Mist, Schlachtabfälle etc.) stehen, wird dabei konsequent verzichtet. Im Öko-Landbau werden diese, teilweise aus der konventionellen Massentierhaltung stammenden Stoffe, üblicherweise verwendet.

Bio-veganer Landbau bildet von seinen Grundsätzen her daher die Vereinigung ökologischer Landbaukonzepte mit den Zielen des Veganismus und stellt aufgrund seines „nutztierfreien“ Charakters einen produktiven und klimaeffektiven Ansatz zur Versorgung mit veganen Lebensmitteln in Zeiten des Klimawandels dar.

 

Wann und wo biozyklisch-veganes Obst und Gemüse im deutschsprachigen Einzelhandel verfügbar ist, werden wir auf der Webseite biovegan.org zeitnah mitteilen.

Weitere Bilder zur biozyklisch-veganen Produktion finden Sie hier: http://www.biocyclic-network.net/bilder-aus-unserer-taumlglichen-arbeit.html (alle Bildrechte bei BNS Biocyclic Network Services Ltd., Nutzung nur in Rücksprache mit dem Rechteinhaber).

Für Presseanfragen steht Ihnen zur Verfügung:

  • Daniel Mettke (Koordinator Umwelt & Bio-Veganes Netzwerk) Bund für Vegane Lebensweise; E-Mail: daniel.mettke@bvl-ev.org; Telefon: +49-(0)5820-7784044; Mobil: +49-(0)163-2347146

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Autor*in des Artikels: BVN

Das Bio-Vegane Netzwerk im deutschsprachigen Raum.

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