Tierhaltung: Landwirt steigt aus – The Vegan Society hilft dabei

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Großartige Neuigkeiten aus Großbritannien. The Vegan Society setzt seine Grow Green-Kampagne um und unterstützt erstmalig einen britischen Landwirt, der aus der Tierhaltung aussteigen möchte. Wir freuen uns, hier exklusiv die Übersetzung des Berichts von The Vegan Society featuren zu können.


Eine neue Zukunft für die Landwirtschaft

Mittwoch, 26.4.2017

Der vegetarisch lebende Rinderzüchter und Landwirt Jay hat den ersten Schritt gewagt hin zu einer ethischeren und umweltfreundlicheren Landwirtschaft, indem er mit Unterstützung der britischen The Vegan Society und deren Kampagne Grow Green seinen Milchviehbetrieb in einen „vieh“losen umgewandelt hat.

Dies ist seine und unsere Geschichte.

Kühe im Stall, die Heu fressen

Jays Kühe im Stall. – © The Vegan Society

Ein vegetarisch lebender Rinderzüchter? Das ist ein eher ungewöhnlicher Gedanke, aber genau das ist der Widerspruch in dem Jay lebte, seit er den Betrieb von seinen Eltern übernommen hat.

Jay wuchs mit der täglichen Arbeit mit einer Milchviehherde auf. Dabei wurde ihm mit der Zeit klar, dass diese Tiere mehr ausmacht, als wir gemeinhin zu glauben meinen. „Ich nahm wahr, wie die Kühe sich untereinander wiedererkannten, eine Vielzahl an Gefühlen ausdrückten – sie können traurig, gelangweilt oder aufgeregt sein. Sie haben auch unterschiedliche Gesichtsausdrücke. Du merkst, was eine Kuh denkst, wenn Du ihr ins Gesicht schaust. Ich habe sie auch weinen gesehen.“

Im Verlauf der Zeit hörte Jay daher auf Fleisch zu essen. Das erklärt er so: „Kühe sind sich bewusst darüber, was um sie herum passiert – sie haben eine Persönlichkeit und ein Innenleben. Wenn man sie so kennengelernt hat, macht es einem Schwierigkeiten sie zu essen.“

Milchviehstress

Als Jay den Betrieb von seinem Vater übernahm, wollte er Einiges verändern. Er begann damit, den Betrieb von Milchvieh auf Rindermast umzustellen – eine schwerwiegende Entscheidung für einen Vegetarier.

Jay berichtet: „Wir hörten mit der Milchproduktion auf weil es ein wirkliches Mühsal wurde. Wenn man die Milch einer Kuh haben will, muss man sie von ihrem Kalb trennen. Das ist echt schwer zu ertragen. Selbstverständlich sind die Mutterkühe darüber verzweifelt. Es dauert lange, bis sie das verwunden haben. Für gewöhnlich versuchen Milchviehhalter die Kälber in gutem Abstand von ihren Müttern zu halten, damit sie nicht miteinander kommunizieren können und sich damit die Qualen nicht unnötig verlängern.“

Trotzdem, auch ohne den Stress durch die Milchviehhaltung war das Bewirtschaften eines Rindermastbetriebs außerhalb dessen, was Jay als ethisch betrachtete. Er rang damit, einen Ausweg für sich zu finden.

Grow Green

Grow Green Kampagne. – © The Vegan Society

So war die Situation bis Jay schließlich die Gelegenheit hatte, mit Patrick Smith zu reden, dem Besitzer von „Veggies Catering Campaign“. Als Vertreter der The Vegan Society-Lokalgruppe Nottingham überreichte Patrick dem Landwirt eine Kopie des Grow Green-Berichts, dessen Inhalt sofort auf Interesse stieß.

Der Bericht wurde vor anderthalb Jahren veröffentlicht und skizziert einige der Ziele und Möglichkeiten, die das Herzstück der Grow-Green-Kampagne bilden. Langfristig zielt diese darauf ab, die britische Regierung davon abzubringen, nicht-nachhaltige tierhaltende Landwirtschaft weiter durch Subventionen zu unterstützen, schließlich ist es sinnvoller pflanzliche Lebensmittel für den menschlichen Konsum anzubauen, als Ackerfutter für die Tierproduktion auf den gleichen Flächen zu produzieren.

Jay meint, „Ich denke wir können was daran ändern, wie wir hier leben, nachhaltiger für die Zukunft, statt weiter Tiere zu essen. Denn das ist wirklich keine besonders effektive Methode um Menschen zu ernähren. Und wenn ich zufrieden gewesen wäre mit dem was ich mache, hätte ich Pat’s Bemerkungen damit abgebügelt, dass man so schon immer Landwirtschaft betrieben hat und das halt eben die Art ist, wie es funktioniert. Aber mir gefiel der Ansatz und daher entschied ich mich zu handeln.“

Erste Schritte

Nach einem Anruf bei The Vegan Society organisierten deren Mitarbeiter ein erstes Treffen auf Jays Betrieb. „Nach diesem Besuch begann es wirklich möglich zu erscheinen“, erinnert sich Jay. Eine Auseinandersetzung über das Schicksal seiner letzen Rinderherde begann. Als der Winter dann kam, behielt er die Tiere und kümmerte sich weiter um sie, statt sie zum Schlachter zu bringen, in der Hoffnung, dass sich ein dauerhaftes und sicheres Zuhause für sie auftun würde.

Tom Kuehnel, Kampagnenmanager bei The Vegan Society wurde damit beauftragt. „Es erschien mir wie eine unmögliche Aufgabe“, erzählt Tom. „Es gibt so viele wunderbare Lebenshöfe in Großbritannien, aber ich war wirklich nicht zuversichtlich einen zu finden, der den Platz gehabt hätte, über 100 Kühe auf einmal aufzunehmen.

„Aber dann kam der Kontakt mit Wendy vom Hillside Animal Sanctuary in Norfolk zustande – und sie sagte, dass es ihr möglich sei, alle Tiere aufzunehmen. Das war ein wirklich denkwürdiger Tag bei uns im Büro. Zu hören, dass diese Kühe die Chance bekommen, ihre natürliche Lebenserwartung in einer liebevollen Umgebung ausschöpfen zu können war ein wirklich besonderer Moment für uns.“

Eine neue Zukunft für die Landwirtschaft

Jays Partnerin Katja (l.) und Iain Tolhurst (r.) – © The Vegan Society

Aber dies ist nur Schritt Eins. Nachfolgend der Rettung der Kühe wird The Vegan Society Jay dabei helfen eine neue Ausrichtung seines Betriebs zu entwickeln. Eine die sich trägt, ohne Tiere oder Tierprodukte zu nutzen und dennoch wirtschaftlich nachhaltig ist. Wir haben daher ein Team an Experten versammelt, die mit „vieh“losem Anbau vertraut sind und die Umstellung des Betriebs begleiten können, u.a. Iain Tolhurst und das Vegan Organic Network.

Diese Umstellung stellt eine neue Zukunft der Landwirtschaft dar, denn aktuell befindet sie sich in einer Krise. Höfe machen jede Woche für immer dicht, weil der finanzielle Druck zu groß ist, die psychischen Belastungen der Bauern sind hoch und die Verbraucher wenden sich von Tierprodukten ab. Wir brauchen hier etwas, was die sich verändernden Ernährungsgewohnheiten der Briten unterstützt, was die Umwelt schützt und was die Zukunft der britischen Landwirte sichert.

Lesen Sie den Grow Green-Report hier.

Unterstützen Sie das Hillside Animal Sanctuary hier.

Von Elena Orde, Übersetzung Bio-Veganes Netzwerk für Landwirtschaft und Gartenbau

Den Original-Artikel von The Vegan Society finden Sie hier.

Das Team von The Vegan Society (l.) trifft die Jay und seine Partnerin (r.) – © The Vegan Society


Das Bio-Vegane Netzwerk (BVN – biovegan.org) und seine Kooperationspartner arbeitet verbandsübergreifend daran, bio-vegane Alternativen in der Landwirtschaft umzusetzen und unterstützt deutschsprachige Landwirte dabei, aus der Tierhaltung auszusteigen. Mit dem Biozyklisch-Veganen Anbau bietet sich für „vieh“lose Pflanzenbau-Betriebe zudem die Möglichkeit, biologische und „nutztier“freie, transparente Anbauqualität am Markt anzubieten.

Autor*in des Artikels: BVN

Das Bio-Vegane Netzwerk im deutschsprachigen Raum.

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