Oatly experimentiert mit bio-veganem Haferanbau

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Der schwedische Haferdrink-Hersteller Oatly experimentierte dieses Jahr nach eigenen Angaben offenbar mit bio-veganem Anbau.

Hafermilch als Kuhmilch-Ersatz - bald auch bio-vegan?

Hafer für Hafermilch von Oatly – bald auch bio-vegan angebaut? (Quelle: Montage, Pixabay/Wikipedia)

So zumindest lässt sich eine Nachricht verstehen, die Dan Graham vom britischen Vegan Organic Network über die sozialen Medien verbreitete.

In der zitierten E-Mail heißt es seitens Oatly, dass sich die Firma finanziell an Anbauversuchen beteiligt hat, die eine nachhaltigere Produktion im Fokus habe. Oatly spricht von „grünem“, im Sinne von pflanzlichen Dünger, der dabei zum Einsatz kam. Welche Fruchtfolge und welche Art der Düngung genau betrieben wurde, ist nicht bekannt. Die diesjährige Ernte des Versuchs, 19 Tonnen Bio-Hafer, habe Oatly zudem aufgekauft und würde ihn zu einer exklusiv schwedischen Sonderedition verarbeiten. Diese soll ab kommender Woche auf den Markt kommen.

Normalerweise käme im Anbau von Bio-Hafer, der nach den Richtlinien des schwedischen Anbauverbands KRAV ohne synthetische Düngemittel angebaut wird, im Verlauf der Fruchtfolge auch Knochenmehl zum Einsatz. Das sei ein Abfallstoff, der so immerhin nützliche Verwendung im Pflanzenbau fände, was zur Nachhaltigkeit der Produktion beitrage. Oatly verarbeitet aber auch nicht biologisch angebauten Hafer für sein Sortiment.

Die Kundendienst-Abteilung des Unternehmens erklärte weiterhin, dass man sich auch im Bereich der Lebenszyklus-Analyse (life cycle analysis) finanziell für weitere Forschung einsetze. So habe das SP Technical Research Institute of Sweden ermittelt, dass der Austausch von Kuhmilch durch Hafermilch für schwedische Verhältnisse 69% weniger Treibhausgasemissionen¹, 79% weniger Landverbrauch² und 60% weniger Energieverbrauch zur Folge hätte.

Referenzmengen beziehen sich auf 1 Liter Bio-Vollmilch (eigene Darstellung nach Oatly-Angaben).

Kuhmilch und Hafermilch von Oatly im Vergleich – Referenzangaben (in Klammern) beziehen sich auf 1 Liter Bio-Vollmilch, s. ¹² (eigene Darstellung nach Oatly-Angaben).

Man betreibe solche Projekte, um aufzuklären. Zudem sei man auch stolz darauf durch ebensolche Forschung ausgesprochen gesunde³ und umweltschonende Produkte entwickelt zu haben, die in der Lage sind, Milchprodukte vollständig zu ersetzen. Man sei zwar nur ein ziemlich kleiner Marktteilnehmer, der aber mit seinem Angebot einen Beitrag leisten wolle, die Lebensmittelproduktion langfristig auf eine pflanzenbasierte Wirtschaftsweise umzustellen.

Das Unternehmen mit Sitz in Malmö hatte im vergangenen Sommer eine massive öffentliche Werbekampagne in Berlin angefahren, offenbar um sich in der sogenannten Hauptstadt des Veganismus bekannter zu machen. Schon auf der BioFach zuvor im Februar fiel Oatly schon durch die auf hip getrimmte Werbestrategie auf, die ernsthaften Ökoanspruch und lockerem Lifestyle auf witzige Art miteinander zu verbinden versucht. Das aktuelle Angebot umfasst Nicht-Bio und Bio-Produkte auf Haferbasis in verschiedenen Geschmacksrichtungen, sowie Merchandise-Artikel.

Oatly ist einer der Pioniere im Bereich der Pflanzenmilch-Herstellung. Nachdem man in den frühen 1990er Jahren im Rahmen von Forschungsarbeiten an der Lund Universität mit verschiedenen Getreidearten experimentierte, sei man schließlich bei der enzymatischen Aufbereitung von Hafer gelandet. Seither nimmt das Unternehmen die schwedische Milchwirtschaft auf die Schippe: mit Slogans wie „Wie Milch, nur für Menschen!“ zog es sich den Zorn der Milchhersteller und den Respekt von Veganer*innen auf sich. Erstere hatten Oatly im Oktober 2014 wegen wettbewerbswidrigem Verhalten verklagt. Geschäftsführer Toni Petersson rührt das nicht, im Gegenteil. Die mit der Klage verbundene PR hätte zu massiven Umsatzsteigerungen geführt. Laut eines Bloomberg-Berichts von 2015 erwarte man für 2017 Umsätze in Höhe von umgerechnet etwa 50 Mio. Euro.

Da die pflanzlichen Milchalternativen in Bioqualität mittlerweile zum Standardprogamm bei den Eigenmarken der deutschen Supermarktketten gehören, könnte eine Auszeichnung von bio-vegan angebauter Rohware für unabhängige Hersteller in Zukunft durchaus lukrativ erscheinen, um sich gegenüber den Verbraucher*innen weiter zu profilieren.

Das Bio-Vegane Netzwerk (BVN – biovegan.org) geht davon aus, dass pflanzliche Milchalternativen und Tofuprodukte die Türöffner für bio-vegane Anbauauszeichnung bei verarbeiteten Produkten sein werden. Eine Zertifizierung für veganen Bio-Ackerbau ist, wie berichtet, auf dem Weg.


Fußnoten:

¹ die Eaternity-App bemisst die Klimagas-Emissionen von 1 Liter regionaler Bio-Vollmilch mit 1689g CO2: d.h. 1 Liter Hafermilch erzeugt laut Oatly demnach 523,6g CO2. Die Eaternity-App geht sogar für Bio-Hafermilch von nur 148g CO2 aus.

² Laut einer Studie vom Öko-Institut e.V. (SEEMÜLLER, 2000) liegt der Flächenbedarf bei 1 Liter Bio-Vollmilch bei ca. 2,75m² landwirtschaftlicher Nutzfläche, d.h. 1 Liter Bio-Hafermilch verbraucht laut Oatly 0,578m². Der Energiegehalt von Oatly Hafermilch liegt bei 45kcal/100ml. Der von Kuhmilch bei 64kcal bzw. bei Halbfettmilch bei 48kcal/100ml.

³ Oatly verweist auf den hohen Gehalt von Beta-Glucanen im Hafer, die helfen den Cholesterinspiegel zu senken: 250ml Oatly Drink sollen 1/3 der empfohlenen Tagesmenge an Beta-Glucanen enthalten.

Autor*in des Artikels: Daniel Mettke

Dipl. Ing. (FH) für Ökologische Landwirtschaft und seit ca 2003 aktiv im BVN. Ich bin aktiv für bio-veganen Anbau und blogge auf biovegan.org über Aktivitäten des BVN und nahestehende, landbaubezogene Themen.

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