Nährstoff(selbst)versorgung im Waldgarten-Ökosystem

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von Roland Teufl

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Waldgarten mit mehreren. gut erkennbaren Etagen

Waldgärten sind in mehreren Stockwerken aufgebaute mehrjährige Mischkulturen. Das heißt sie ähneln in ihrer Struktur einem natürlichen Wald (mit Bäumen und Sträuchern verschiedens­ter Größen, ausdauernden krautigen und bodenbedeckenden Pflanzen und Kletterpflanzen). Vielfalt ist ein zentrales Prinzip der Waldgärtnerei, Vielfalt der physischen Strukturen, der Kul­tur-Pflanzen, der Funktionen, des Nutzens eines Wald­gartens (Ernährung, Medizin, Materialen zum Bauen, Hei­zen, Basteln, u.v.m.) Innerhalb von Waldgärten wird ver­sucht möglichst viele positive Interaktionen zwischen den Elementen (Pflanzen, Mensch, Wasser, Boden, usw.) zu schaffen um Konkurrenzsituationen zu mindern. Ko­operation statt Konkurrenz!

Ziel der Waldgärtnerei ist es u.a. selbsterhaltende, selbstregulierende essbare Landschaften zu gestalten, die zur Erhaltung einen möglichst geringen Energie- und Pflegeaufwand benötigen und zugleich die Bodenfruchtbarkeit dauerhaft erhöhen. Es gibt mehrere Strategien um die selbsterhaltende Fruchtbarkeit eines Waldgartens zu fördern und zu erreichen. Das Ökosystem Wald schafft durch Laubfall, Wurzelausscheidungen und vor allem die hohe Biomasseprodukti­on eine den Boden und Humus aufbauende Situation.

Beinwell als Stickstoff-sammelnder Unterwuchs

Beinwell als Stickstoff-sammelnder Unterwuchs

Dynamische Akkumulatoren wiederum wie Beinwell, Ampfer, Lungenkraut, Brennnessel u.a.m. schließen mit ihren tiefgehenden Wurzeln Nährstoffe auf, die andere Pflanzen mit ihren Wurzelsystemen nicht erreichen. Über die Verrottung der Blätter geben sie diese Nährstoffe wieder an den Boden ab, bauen diesen auf und machen Nährstoffe über diesen Zyklus für andere Pflanzen verfügbar. Pilzverbindungen (Mykorrhiza) schließen ebenso Nährstoffe auf. Mykorrhiza-Pilze verteilen Nährstoffe zwischen verschiedensten Waldgarten-Gehölzen, sie tauschen sich auch mit den Pflanzen aus – so geben sie bspw. Stickstoff, Phosphor und Wasser an Pflanzen und bekommen im Gegenzug Zucker-Assimilate aus der Photosynthese der Pflanzen.

Gewisse Gehölze haben auch die Fähigkeit, Symbiosen mit Stickstoff-fixierenden Bakterien ein­zugehen. Die große Pflanzenfamilie der Leguminosen hat auch einige verholzende Arten, bspw. Erbsenstrauch, Schnurbaum, Robinien, Wisteria, Ginster, u.a.m. Des weiteren gibt es Pflanzen wie bspw. Erlen und Ölweiden (meine Lieblings-Stickstofffixierer) welche Symbiosen mit Frankia-Bakterien eingehen und ebenfalls (und im Durchschnitt sogar noch vglw. mehr) Stick­stoff in den Boden bringen. Durch die Integration dieser Pflanzen kann eine ausreichende Stick­stoffversorgung von fruchttragenden Gehölzen wie auch eiweißreichen Salat- und Gemüsebäu­men (Toona, Maulbeeren, Linden, …) u.a. Pflanzen erreicht werden.

Waldgärten sind aggradierende (Gegenteil von degradierend!) essbare „Wald“-ökosysteme, mit vielfältig-postivem Nutzen für Mensch und Natur (Lebensräume, Klima, Wasser …).

Weitere Links zu Waldgärten: www.agroforestry.co.uk, www.pfaf.org, www.gega4all.at, www.perennialsolutions.org, www.edibleforestgardens.com

Anmerkung der Redaktion: www.agroforstkampagne.net: Kampagne des Vereins Zukunftsfähig zur Verbreitung von Agro-Forstsystemen in Dtld.

Roland Teufl studiert Agrarökologie und Soziale Ökologie in Wien, hat eine Feldforschungsreise zu über 25 Waldgärten gemacht und schreibt nun seine Masterarbeit zum Thema „Nutzung und Manage­ment von Waldgärten in Großbritannien“.

Autor*in des Artikels: BVN

Das Bio-Vegane Netzwerk im deutschsprachigen Raum.

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