8. Wie soll ein geschlossener Betriebskreislauf im bio-veganen Land- und Gartenbau / ohne „Nutz“tiere denn aussehen?

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Humus und Nährstoffe werden im biologisch-veganen Landbau insbesondere durch Gründüngung, Kompost aus Pflanzenabfällen und Mulch zugeführt. Die Pflanzenmaterialien sollten vorzugsweise von eigenen Betriebsflächen stammen. Die Bodenpflege spielt eine besondere Rolle für die Bewahrung der Fruchtbarkeit. Hierzu gehört auch der Verzicht aufs Pflügen, stattdessen sollte der Boden nur minimal bearbeitet werden.

Weiterhin ist die Berücksichtigung angemessener Fruchtfolgen wichtig, um Krankheiten und Bodenmüdigkeit vorzubeugen, aber auch um den Nährstoffaufschluss zu verbessern. Auch Mischkultur ist sinnvoll, durch positive Seiteneffekte benachbarter Kulturen.

Ein weiteres Prinzip ist die Förderung der Artenvielfalt, auch um dynamischen Unbalancen entgegenzuwirken (Anlage und Pflege von Blühstreifen, Hecken, naturbelassene Feldränder und Flurstücke, Insekten-, Amphibien- und Vogelschutzmaßnahmen u.a.m). Tiere spielen also durchaus eine Rolle im bio- veganen Landbau. Wildtiere und das Bodenleben werden gefördert bzw. wird ihnen nach Möglichkeit Raum gegeben, es werden aber keine Tiere gehalten.

Weitere Infos zur bio-veganen Wirtschaftsweise findest du hier. Detaillierte Anbauhinweise geben die bio-veganen Anbaurichtlinien des britischen Vegan Organic Network (VON).

Anmerkung zum verbreiteten Dogma der Notwendigkeit der Tierhaltung zur Nährstoffversorgung:

Häufig ist in Diskussionen zu lesen, bio-veganer Landbau funktioniere nicht, weil die Nährstoffe, die im Erwerbsanbau in Form der pflanzlichen Erzeugnisse an die Kundschaft verkauft würden im (Bio-)Müll und in der Toilette landen, also dem Boden nicht wieder zugeführt würden. Diese fehlenden Nährstoffe müssten anderswo „geraubt“ und ersetzt werden (bspw. Mulch von einer Wiese). Diese Behauptungen entspringen dem in der tierhaltenden Landwirtschaft verbreiteten Dogma der Notwendigkeit der Tierhaltung (alternativ käme nur chemisch-synthetische Düngung infrage), welches letztlich die landwirtschaftliche Tierproduktion und -ausbeutung legitimieren soll.

Dabei zeigen einerseits die über viele Jahre bio-vegan arbeitenden Betriebe, dass diese Wirtschaftsweise mit engem Stoffkreislauf funktioniert, und auch Wissenschaftler_innen räumen mit diesem Unsinn auf.

Weiterhin ist es auch bei tierhaltenden Betrieben so, dass mit dem Kohlrabi, dem Yoghurt, dem Ziegenkäse oder der Bockwurst Nährstoffe mitverkauft werden, die folglich dem Boden entzogen sind. Wenn also von Raubbau an externen Flächen geredet wird, sollten wir an die Futtermittelimporte und verödete Böden durch z.B. intensiven Gensojaanbau denken. Und natürlich benötigen auch Bio-Tiere Nährstoffe, ob sie auf der Weide oder – wie zumeist üblich – im Stall stehen.
Halten wir also fest, dass der Nährstoffentzug durch Abverkauf ein Allgemeines Problem ist, das alle Landwirtschaftsformen betrifft.

Tiere hängen vom Nährstoffkreislauf der Pflanzen ab. Sie tragen nichts dazu bei.

Pflanzen ernähren sich normalerweise mit Hilfe der Photosynthese (Kohlenstoffgewinnung aus CO²), des Luftstickstoffs, des Bodenlebens und der Bodenmineralien. Synthetische Dünger und Mist/Gülle sind für das Pflanzenwachstum nicht erforderlich. Kohlenstoff und Stickstoff stellen auch die Grundlage für die Humusbildung dar.
Die „Nutz“tiere benötigen regelmäßig Nährstoffe, insbesondere hochwertige Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette für Körperaufbau und -funktion, die sie dem Futter entziehen. Die Ausscheidungen sind folglich nährstoffarm.1
Was einmal durch das tierliche Verdauungssystem gegangen ist enthält am Ende weniger Nährstoffe als Kompost, der aus der gleichen Menge Futter/Grünmasse hergestellt wurde. Achim Schwarze ist ebenfalls dieser Ansicht und meint zudem, dass Kompost – sozusagen der Mist der Regenwürmer – weit idealere Eigenschaften aufweist als Rindermist. Im Gegensatz zu Mist wirke Kompost zudem weder triebig, noch sei er von Auswaschung bedroht, also eher geeignet Humus aufzubauen.2

Herwig Pommeresche, der Erkenntnisse aus der Molekularbiologie in herkömmliche Annahmen zur Pflanzenernährung einbringt, und ebenfalls der Ansicht ist, dass Mist nicht notwendig ist (ebensowenig wie Kunstdünger), um Pflanzen wachsen zu lassen, bringt es auf den Punkt:

„Auch die Behauptung, dass Viehzucht des Mistes wegen die Voraussetzung für die Pflanzenproduktion darstellt, hält nicht stand. Diese Kopplung dient lediglich der Verwertung des Abfalls aus der Fleischproduktion, stellt aber durchaus nicht die optimalen Möglichkeiten einer Pflanzenernährung dar.“ 3
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1 Erhard Hennig: Die Geheimnisse der fruchtbaren Böden. Die Humuswirtschaft als Bewahrerin unserer natürlichen Lebensgrundlage. Nettersheim 1994. Seite 13

2 Achim Schwarze: Einfach anders Gärtnern – Biogemüse in Theorie und Praxis. Osnabrück o.J. Seite 100.

3 Herwig Pommeresche: Humussphäre – Ein Stoff oder ein System? Xanten 2004. Seite 130f.
Hierzu auch: „Warum Mist mist ist“
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