4. Welche Vorteile hat eine bio-vegane Landwirtschaft im Vergleich zur konventionellen?

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In der konventionellen Landwirtschaft stehen für den Anbau Betriebsmittel zur Verfügung, die im Bio-Anbau nicht erlaubt sind. Dadurch kann in der konventionellen Landwirtschaft bei kurzfristig auftauchenden Problemen zeitnah gehandelt werden: Benötigt eine Pflanze Nährstoffe, wird mit schnell löslichem Mineraldünger gedüngt, der die Pflanze gut füttert, aber wenig positive Auswirkungen auf das Bodenleben hat. Treten Insekten als sogenannte Schädlinge auf, wird mit chemisch hergestellten Pestiziden gespritzt. Wächst das Unkraut zu stark, werden Herbizide gespritzt. Und es werden Sorten gewählt, die mit den zur Verfügung stehenden Mitteln gut wachsen und viel Ertrag bringen. Überspitzt gesagt, wird der Boden als Material angesehen, in dem sich die Pflanzenwurzeln festhalten.

In der ökologischen Landwirtschaft liegt der Blick stärker auf dem Gesamtsystem. Es soll idealerweise ein Betriebssystem entwickelt werden, dass in sich geschlossen und sowohl ökologisch als auch sozial tragfähig ist. Beispiel konventionelle Stickstoffdünger: Es ist sehr energieintensiv, den in der Luft befindlichen Stickstoff über ein industrielles Verfahren in eine pflanzenverfügbare Form zu bringen. Für jedes hergestellte kg Stickstoff werden dabei 5,8 Kilogramm CO2-Äquivalente ausgestoßen. Im Bio-Anbau wird Stickstoff über den Anbau von Leguminosen verfügbar gemacht. Leguminosen sind Klee, Luzerne oder auch Linsen, Erbsen und Bohnen, an deren Wurzeln Bakterien sitzen, die den Stickstoff direkt aus der Luft binden und der Pflanze verfügbar machen. Das ist viel ressourcenschonender. Allerdings muss der Anbau in der Bio-Landwirtschaft vorausschauend geplant werden. Die Reihenfolge der angebauten Pflanzen auf einem Acker muss durchdacht sein, damit die Pflanzen ausreichend Nährstoffe zur Verfügung haben, und damit Unkräuter nicht Überhand nehmen und durch Hacken eingedämmt werden können. Die angebauten Pflanzenarten und -sorten müssen vielfältig sein, damit die sogenannten Schädlinge nicht gehäuft auftreten. Es wird dem Bodenleben eine gesonderte Aufmerksamkeit geschenkt, da die Bodenfruchtbarkeit Grundlage eines erfolgreichen Anbaus ist. Ein aktives Bodenleben (Bakterien, Käfer, Pilze, Regenwürmer, etc) hilft der Pflanzengesundheit, vermindert Bodenerosion, und ist Grundlage für ein vielfältiges Ökosystem (z.B. finden Vögel Nahrung).

Im ökologischen Anbau wird also idealerweise ein System entwickelt, das in sich tragbar und ökologisch nachhaltig ist. Es wird mit dem Ökosystem gearbeitet, anstelle von Symptom-Behandlung durch zugekaufte Mittel. Diese Grundidee wird in der bio-veganen Landwirtschaft am konsequentesten umgesetzt. In der Bio-Landwirtschaft sind „natürliche“ Pestizide zugelassen, wobei die Einteilung in „synthetisch = schlecht“ und „natürlich = gut“ auch hinterfragt werden kann. Im bio-veganen Anbau wird ein einseitiges Auftreten von Schadinsekten als Zeichen eines nicht vorhandenen Gleichgewichts zwischen Schädlingen und ihren Gegenspielern gesehen. Also sollte sich der Grund überlegt werden, z.B. eine zu einseitige Anbaugestaltung. Die Grundannahme ist, dass Vielfalt Stabilität schafft und Risiken vermeidet. Im Gegensatz zum konventionellen (und in Teilen dem ökologischen) Ansatz, wo Pestizide sowohl die nützlichen als auch die Schadinsekten töten, versucht der systembasierte bio-vegane Ansatz, ein Verständnis für die vielfältigen Interaktionsnetzwerke zu entwickeln.

Beispielsweise ist die vollständige Auslöschung von Schadinsekten gar nicht wünschenswert, da andere Insekten auf sie als Nahrung oder Brutstelle angewiesen sind und ohne sie nicht überleben könnten. Oder das Beispiel Schnecken. Abseits von Schneckenkorn oder anderen Tötungsansätzen bietet der Systemansatz mehrere Möglichkeiten: Kurzfristig das regelmäßige Hacken des Bodens und andere Anbaumaßnahmen, und langfristig die Förderung der natürlichen Gegenspieler. Ein Teich lässt Molche ansiedeln, langes Gras zieht Blindschleichen an, und Haufen von Blättern und Zweigen bieten Igeln ein Versteck. Tausendfüßler und Käfer essen Schneckeneier, deshalb sollten sie mit Unterschlupfmöglichkeiten und Streifen von Wildpflanzen gefördert werden. Im bio-veganen System sind also Wildtiere und -pflanzen explizit erwünscht.

In der Realität ist die gesamte Landwirtschaft den kapitalistischen Marktgesetzen ausgesetzt, was es oft schwierig macht, die Grundideen auch umzusetzen. Wie oben bereits angesprochen umfasst das bio-vegane Konzept auch alternative Wirtschaftwege, beispielsweise die solidarische Landwirtschaft, bei der sich Gärtner*innen und Begärtnerte in einer Kooperation zusammenschließen und damit ein Stück unabhängig von den Marktpreisen machen.

Nächste Frage:
5. Aber es gibt doch auch „viehlose“ Bio-Landwirtschaft. Warum ist die nicht vegan?

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