2. Welche Nachteile seht ihr beim konventionellen Anbau?

Print Friendly, PDF & Email

Beim konventionellen (auch „integrierten“ oder „kontrollierten“) Pflanzenanbau kommen zur Düngung fossile und synthetische Düngemittel sowie Mist und Gülle zum Einsatz – mit all ihren schädlichen Folgen wie hoher Energieverbrauch, Nitratauswaschung ins Grund- und Oberflächenwasser durch Überdüngung, Trinkwasserbelastung, wässrig aufgedunsene und durch antibiotikaresistente Keime belastete Feldfrüchte sowie ein gestörtes Bodenleben. Der oftmals praktizierte Anbau in Monokultur und häufiges Befahren der Flächen mit großen Maschinen haben zudem einen geringen Humusgehalt, Bodenverdichtung und Erosion zur Folge.

Außerdem kommen in der konventionellen Landwirtschaft Gifte zum Einsatz, die in ihrer Gesamtheit als Pestizide oder beschönigend auch als „Pflanzenschutzmittel“ bezeichnet werden. Je nach Untergruppe wirken sie beispielsweise als Herbizide gegen unerwünschte Pflanzen (Beikräuter), als Fungizide gegen Pilze oder als Rodentizide gegen Nagetiere. Zahlreiche Insekten kommen durch Insektizide ums Leben. Durch Insektizide der Gruppe der Neonicotinoide werden auch Wildbienen und Schmetterlinge dezimiert, wodurch es wiederum zu einem Bestäubungs-Defizit kommt. Auch durch das Vernichten der Beikräuter wird ihnen die Nahrungsgrundlage entzogen. Die durch die konventionelle Landwirtschaft forcierte Artenarmut bei Pflanzen, Pilzen, Insekten und Kleintieren wirkt sich letztlich auf die ganze Nahrungskette negativ aus.

Was die Tierhaltung anbelangt, führte zunehmende Spezialisierung der Betriebe zu immer größeren Tierbeständen.
Gerade einmal ein Dutzend Unternehmen haben den Tierzucht Markt inzwischen unter sich aufgeteilt.1 Die Tiere werden – durch züchterische Auswahl und Mißachtung ihrer Bedürfnisse – den auf Profitmaximierung ausgelegten Haltungsformen in der Massentierhaltung angepaßt.

Das Kraftfutter muss zugekauft werden (auch bei Mischbetrieben mit Ackerbau mit teils eigenem Futter), mit schlimmen Folgen für die Land(wirt)schaft und die Menschen in den Ländern aus denen es importiert wird: Dem Anbau von gentechnisch verändertem Soja in Südamerika geht meist die Rodung von Urwald voraus, und der Einsatz von glyphosathaltigen „Pflanzenschutz“mitteln wie Roundup führt zu Missbildungen bei Neugeborenen, Früh- und Totgeburten und zu vermehrten Krebserkrankungen in den Anbau-Regionen. Zudem führt der Sojaimport zu einer globalen Nährstoffverschiebung: Die Böden in den Exportländern verarmen an Nährstoffen, die sich hierzulande in der Gülle konzentrieren.

Die hiesigen Gülle-Überschüsse mit all ihren Medikamentenrückständen und Krankheitserregern müssen wiederum entsorgt werden, was zur Überdüngung betriebseigener Flächen führt. Da meist nicht genug eigene Flächen vorhanden sind, müssen noch weitere Felder und Wiesen dazu gepachtet werden. Überdüngte Wiesen weisen wiederum eine geringere Artenvielfalt auf (mehr hierzu bei FAQ 7, unter:Intensivgrünland – Energiereiches artenarmes Grünfutter für Hochleistungs-Stalltiere„).

Überarbeitet im Mai 2017 *sl
_____________
1 Zeit-Online „Das Tierzucht-Monopoly“ von Marlies Uken 25. Januar 2012

Nächste Frage:
3. Welche Nachteile seht ihr in der Bio-Landwirtschaft allgemein?

Zurück zu den FAQ’s