7. Was passiert dann mit den Wiesen und Weiden?

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Grünlandentstehung – Vernichtung von Artenvielfalt, Natur und CO²-Speichern
Intensivgrünland – Energiereiches artenarmes Grünfutter für Hochleistungs-Stalltiere
Extensivgrünland – Karnistische Rechtfertigungsstrategien
Biotopgrünland – Artenvielfalt und FFH-Fleisch
Erhalt alter Kulturlandschaften um jeden Preis und nur mit „Nutz“tieren?
Grünlandnutzung im bio-veganen Land- und Gartenbau

Oft argumentieren Befürworter_innen der Tierhaltung, dass Landwirtschaft ganz ohne „Nutz“tiere nicht erstrebenswert sei, weil sonst alte Kulturlandschaften, wie z.B. die Heide oder die Alpenwiesen verschwinden würden. Diese seien aber wichtig für den Tourismus und den Erhalt der Kulturlandschaft. Zudem gäbe es nun einmal Regionen, in denen nichts anderes als Fleisch und Milch produziert werden könne. Auch die Artenvielfalt sei auf extensiv genutzten Grünflächen am höchsten und nehme mit fortschreitender Sukzession ab. Ferner sei Grünland gegenüber Ackerland gut für das Klima sowie für Boden- und Grundwasserschutz.

Grünland erfüllt auch im bio-veganen Landbau eine wichtige Funktion.

Schauen wir uns zunächst die Entstehung des Grünlands und die Grünlandtypen an, nehmen die verschiedenen Nutzungsinteressen und Argumente etwas näher unter die Lupe und fragen, ob Grünlanderhalt tatsächlich nur in Verbindung mit „Nutz“tierhaltung möglich ist und beleuchten die Probleme dieser Bewirtschaftungsform bevor wir abschließend die bio-veganen Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen.

Grünlandentstehung – Vernichtung von Artenvielfalt, Natur und CO²-Speichern

Bedenken wir zunächst, dass viele wertvolle Biotope dank des hohen Flächenverbrauchs der heutigen „Nutz“tierhaltung überhaupt erst verschwanden. Moore wurden trockengelegt, artenreiche Wälder für Weideflächen gerodet – mit fatalen Folgen fürs Klima durch Kohlenstoffreisetzung, wobei die schädlichen Treibhausgase aus der Tierhaltung – insbesondere der Rinderhaltung – noch hinzu kommen.1 Auch mussten und müssen viele Raubtiere, wie der Wolf, ihr Leben für den Schutz der „Nutz“tiere lassen.

Moorentwicklung extensives Gruenland

Moorgebiet im Hadelner Land. Nebenan befinden sich Kuhställe und intensiv bewirtschaftetes Grünland, das von Entwässerungsgräben durchzogen ist, wodurch die Moorrenaturierung erschwert wird.

Heute sind 90% allen Grünlands in Deutschland nicht natürlichen Ursprungs, d.h. die Flächen wären ohne menschliche Bewirtschaftung (Mahd oder Beweidung) kein Grünland mehr und würden wieder zu Wald werden (Sukzession).
Davon wären ursprünglich 25% Wälder, 20% Lichtungen und Wildwechsel, 30% von Standorten, die ursprünglich innerhalb von Wäldern baumfrei waren (Sümpfe, Flussufer, Marsch), 15% von benachbarten Standorten (Steppe, Tundra, mediterrane Heide) und 10% unbekannter Herkunft.
Mehr oder weniger natürliches Grünland existiert heute noch an der Küste (Marsch), in alpinen Gebieten oberhalb der Baumgrenze und in den (trockengelegten) Moorregionen.2

Intensivgrünland – Energiereiches artenarmes Grünfutter für Hochleistungs-Stalltiere

Den größten Teil des Grünlands in Deutschland machen im Jahr 2000 Vielschnittwiesen und Mähweiden, artenarme Fuchsschwanzwiesen und Intensivweiden / Fettweiden aus (zusammen 75% gegenüber anderen wichtigen Grünlandtypen).3

Der Großteil dieser vorwiegend intensiv bewirtschafteten Flächen wird drei- bis sechsmal im Jahr gemäht und zu Heu oder Silage für die Winterfütterung verarbeitet oder frisch an Wiederkäuer (zumeist Milchkühe und Mastrinder) verfüttert, die zumeist auch den Sommer über im Stall stehen. Wenn Milchkühe auf der Weide zu sehen sind, werden sie in der Regel gerade nicht gemolken, was nur eine Zeit von zwei Monaten im Jahr – die Zeit vor der nächsten Geburt – ausmacht.4
Weidehaltung bringt hohe Investitionskosten und viel Arbeitsaufwand mit sich. Die Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume schreibt zur Mentalität heutiger Landwirt_innen: „Freizeitgewohnheiten sind Gründe dafür, dass die Weidenutzung rückläufig ist.“5

„Nutz“tierhalter_innen – egal ob öko oder konventionell – haben primär ein wirtschaftliches Interesse an den Flächen. Um die „Leistung“ der Mastrinder und Milchkühe artwidrig in die Höhe zu treiben (schneller Fleischansatz und hohe Milchmengen), nutzen sie neben Kraftfutter (Silomais, Soja) den energiereichen Aufwuchs des Intensivgrünlands, das heute zumeist mit Gülle gedüngt wird und dadurch artenarm ist, aber im Vergleich zum Extensivgrünland einen hohen Futterwert hat.

Wird zu viel Gülle oder wird sie zur falschen Zeit (Winter) ausgebracht, besteht die Gefahr der Auswaschung ins Grund- und Oberflächenwasser mit der Folge erhöhter Nitratgehalte im Trinkwasser oder Eutrophierung der Oberflächengewässer. Auch die Fähigkeit des Grünlands zur Kohlenstoffspeicherung nimmt mit zunehmender Stickstoffzufuhr aus Gülle ab und verkehrt sich Anita Idel zufolge sogar in ihr Gegenteil, da die Gräser keine gesunde Wurzelmasse mehr bilden, beziehungsweise „weil dadurch kurzwurzelnde einjährige Gräser gefördert werden – auf Kosten der tiefwurzelnden mehrjährigen .“6 Das dürfte sich wiederum negativ auf die Humusbilanz auswirken.

Exkurs: Nicht nur die Gülle an sich, auch darin enthaltene Insektengifte vermindern Artenreichtum (ergänzt am 28.11.2013):
Der Film „Sind die Bienen noch zu retten?“ aus der Filmreihe „Netz Natur“ auf 3sat zeigt, dass systemisch wirkende Mittel gegen Parasiten, die Rindern in den Schweizer Alpen gespritzt werden, über den Dung wieder auf die Wiesen gelangen. Wer weiß, dass in der Natur ein Dungfladen eines unmedikamentierten Tieres mit Hilfe zahlreicher Insekten, Käfer und Bodenorganismen zersetzt wird, kann sich denken, dass diese Prinzipien mit Insektengiften nicht funktionieren – der Abbau dauert wesentlich länger und die Anzahl der Insekten nimmt ab.
Auch werde oft Gülle aus den Tallagen in höhere Bergregionen gefahren und dort auf den Wiesen ausgebracht. Hier kommt hinzu, dass diese Tiere in der Regel Kraftfutter zu fressen bekommen, das ebenfalls systemisch wirkende Insektizide (Neonicotinoide) enthält, welche zunächst „nur“ Insekten von den Futterpflanzen abhalten sollten, später aber auch – über den Weg der Gülle – zur Verarmung der Insektenvielfalt auf den Almwiesen führt, da diese Stoffe nicht so leicht abgebaut werden.6a

Zunehmend wandert der Grünschnitt dieser Flächen auch in die Biogasanlagen.7

Extensivgrünland – Karnistische Rechtfertigungsstrategien

Artenreicheres, sogenanntes Extensivgrünland nimmt eine Mittelstellung zwischen Intensiv- und Biotopgrünland ein und ist wegen zunehmender Intensivierung der Tierhaltung rückläufig. Meist handelt es sich um Wiesen, die nicht so oft (ein- bis dreimal) gemäht oder beweidet werden, weniger bis kaum gedüngt werden und dementsprechend blütenreicher sind als die intensiv bewirtschafteten. Der Pflanzenaufwuchs hat einen mittleren Futterwert.
Die allgemein rückläufige Beweidung findet sich am ehesten noch auf extensivem Grünland in Höhenlagen. Die ökonomisch aussichtslose Rinderhaltung in sogenannten Ungunstlagen, beispielsweise auf den Nordhängen der Alpen, wird gern zur Rechtfertigung der Tierhaltung allgemein und des eigenen Fleischkonsums angeführt: Es gäbe nun mal Regionen, in denen aufgrund der Hanglagen Pflanzenbau schlecht möglich bzw. wirtschaftlich nicht rentabel sei, also nur „Fleisch erzeugt“ werden könne. Dabei ist auch die Rinderhaltung dort nicht wirtschaftlich (die Fleischproduzent_innen in den Ungunstlagen der Alpen erhalten zusätzliche Subventionen gegenüber denen in den Tallagen) und außerdem wurden und werden in den Berggebieten der Alpen durchaus auch pflanzliche Nahrungsmittel angebaut, bzw. gab es dort früher Subsistenzwirtschaft mit Ackerbau und „Nutz“tierhaltung.8 Es sollte also durchaus möglich sein, in den alpinen Siedlungsgebieten beispielsweise bio-vegane solidarische Landwirtschaftsinitiativen zu gründen oder einen Permakulturgarten zu betreiben. Darüber hinaus sprechen neben ethischen und ökonomischen Gründen auch ökologische Faktoren gegen die Rinderhaltung in den Alpen, wie Renato Pichler in seinem Artikel „Die Berggebiete: Ideale Region für die Viehwirtschaft?“ erläutert.9

Weiterführender Lesetipp zum Argument in Bergregionen sei nur Tierhaltung möglich (ergänzt am 24.07.2014): Sebastian Leugger geht in einer Flächenrecherche der Frage nach, wie viele Tierprodukte in der Schweiz, einem typischen Grasland, tatsächlich auf Wiesen und Weiden, die nicht als Ackerland nutzbar sind erzeugt werden können.
Die Zahlen zur Flächenaufteilung zeigen, dass die Menge an exportunabhängig erzeugbaren im Vergleich zur tatsächlich in der Schweiz verzehrten Menge an Tierprodukten weit geringer ist, zumal wenn die nur vorübergehend angelegten Kunstwiesen, die eigentlich ackerfähiges Land sind von der Grasfläche abgezogen werden und wenn der inländische Anbau von Futterleguminosen – ebenfalls auf Ackerland, das zur Erzeugung pflanzlicher Menschennahrung geeignet wäre – wegfiele.

Letztlich können in den meisten Grünland-Regionen, in denen derzeit „Fleisch und Milch produziert“ werden, problemlos nur pflanzliche Nahrungsmittel erzeugt werden.

Biotopgrünland – Artenvielfalt und FFH-Fleisch

Noch artenreicher aber heute seltener ist das Biotopgrünland in verschiedenen Ausprägungen von Pflanzengesellschaften und Tierarten je nach Standort und Bewirtschaftungsform.10 Große Teile dieser zumeist nährstoffarmen Biotoparten wurden – ebenso wie die Extensivweiden – im Laufe eines halben Jahrhunderts im Zuge des landwirtschaftlichen Strukturwandels von den intensiv bewirtschafteten Weiden verdrängt.
Die Europäische Gemeinschaft schützt diese artenreichen Biotope mit Hilfe der „Fauna-Flora-Habitat- (FFH)-Richtlinie“ vom 21.5.1992 im Rahmen der Schutzgebietskonzeption Natura 2000.

Die Kiefern werden von den Heckrindern verschmäht, und die scheinbare Idylle täuscht über den vorzeitigen Tod der Weidetiere hinweg.

Die Kiefern werden von den Heckrindern verschmäht, und die scheinbare Idylle täuscht über den vorzeitigen Tod der Weidetiere hinweg.

Auch der Erhalt der Artenvielfalt ist in Diskussionen ein oft gehörtes Argument, das für die Tierhaltung sprechen soll. Weidetiere sollen die extensiven und die Biotop-Flächen vor der Verbuschung schützen – nachgemäht oder gesägt werden muss aber dennoch, da sie nicht alle Gehölzaufwüchse oder auch dornige Kräuter mögen. Bei Beweidungsprojekten auf den mageren Biotop-Flächen darf zudem der Tierbesatz nicht hoch sein, da die Nährstoffeinträge aus den Ausscheidungen der Tiere eine Verringerung der Artenzahl zur Folge haben. Für die meisten Biotoptypen wird ohnehin nur die Mahd mit Abräumung des Aufwuchses für einen besseren Nährstoffentzug (im Gegensatz zum Mulchen) empfohlen.11 Wenn Landwirt_innen sich der nährstoffarmen FFH-Flächen mit geringem Futterwert annehmen, dann veranlassen sie dazu zumeist rechtliche Auflagen und/oder finanzielle Anreize (Vertragsnaturschutz und Vermarktung der Tiere). Ein Grund, weshalb die Beweidung im Naturschutzgebiet der Mahd vorgezogen wird, ist vermutlich der sich entwickelnde Markt, der solvente, dem Bio- oder Slow-Food-Sektor zugeneigte Kund_innen anspricht, die das Fleisch dieser Tiere essen wollen. So hält beispielsweise der NABU in Rheinland Pfalz 50% der Geschäftsanteile an der NABU Agrar-Umwelt GmbH Rheinland-Pfalz, über die das Fleisch der Tiere verkauft wird. Eine Gewinnerzielung werde nicht beabsichtigt. Das Fleisch der Heckrinder solle nur den Landschaftserhalt sicherstellen – und nicht zu vergessen ihre eigene Daseinsberechtigung. Wörtlich heißt es in einem SWR-Beitrag dazu:

Das Problem eines zu großen Bestandes hat der NABU jetzt auch in seinem Naturschutzgebiet Schmitdenhöhe bei Koblenz. Die Herde ist hier in den letzten 3 Jahren von 28 auf mehr als 80 Tiere angewachsen. Mindestens 20 müssen deshalb demnächst geschlachtet werden. Man braucht das Geld: Mit dem Bio-Fleisch der Heckrinder werden sowohl die vierbeinigen Naturschützer[sic], als auch der Erhalt der Landschaft mitfinanziert.
(„Warum der Nabu Heckrinder schießen will“ – ein Bericht vom 28.8.2012 im SWR Fernsehen in Rheinland-Pfalz)

Erhalt alter Kulturlandschaften um jeden Preis und nur mit „Nutz“tieren?

Auch Marion Ruppaner setzt sich für den Erhalt der Wiesen und Weiden ein. Unter anderem ist sie der Auffassung, dass Grünlandregionen mit ihrem typischen Landschaftsbild prägend für die Kulturlandschaft seien, die auch die Grundlage für den Tourismus bilden würden. Rinder auf der Weide seien „Erlebnis für die Menschen, ein Ruhepunkt für die Touristen.“12 Mal davon abgesehen, dass Veganer_innen und Tierrechtler_innen auch mal Reisen unternehmen und sich beim Anblick ausgenutzter Tiere im Allgemeinen weder erholen noch erfreuen können, haben sie auch gelernt, Gewohnheiten und kulturelle Gegebenheiten zu hinterfragen und ihre Umgebung sowie eigene Verhaltensweisen entsprechend neuer Erkenntnisse zu verändern. So ist bei dem Argument „Nutz“tierhaltung sei wichtig für den Tourismus und zum Erhalt alter Kulturlandschaften zu entgegnen, dass bei der erzwungenen Erhaltung eines Status Quo keine Weiterentwicklung stattfinden kann.
Im Falle der oben genannten Alpenwiesen wäre angesichts der mannigfachen Nachteile ethischer, wirtschaftlicher und ökologischer Natur zu fragen, ob hier nicht ein befriedeter lichter Naturwald, der Raum für – auch wiederkäuende – Wildtiere, Insekten, Pilze und Pflanzenvielfalt gibt, sinnvoller platziert wäre und welche Erwerbsalternativen sich für die Menschen in extremen Berggebieten jenseits der „Nutz“tierhaltung anbieten – ohne gleich an Entsiedlung zu denken.

Grünlandnutzung im bio-veganen Land- und Gartenbau

Auch im bio-veganen Landbau wird der agrarpolitisch forcierte Grünlandumbruch zu Ackerland insbesondere für Energiemais, Kraftfutter (Silomais) und schnell wachsende Gehölze als Problem angesehen. In den bio-veganen Anbaurichtlinien ist der Umbruch von Grünland zu Ackerland verboten, selbst wenn kein Erhaltungsinteresse durch die Umweltbehörde festgestellt wurde.

Die Erhöhung der Artenvielfalt und die Förderung der Flora und Fauna auf den betrieblichen Flächen (und darüber hinaus) ist ebenso ein elementarer Bestandteil und die Zusammenarbeit mit geeigneten Umweltverbänden bei besonderen Problemstellungen wird nahegelegt.13

Wer meint, Tierhaltung sei unverzichbar zum Erhalt des Grünlands, übersieht, dass es für Wiesen und Weiden auch in der bio-veganen Landwirtschaft verschiedene Nutzungsmöglichkeiten gibt – auch in Zusammenarbeit mit dem Naturschutz, denn verringerter Konsum von Tierprodukten geht mit verringertem Flächenverbrauch einher, so dass Flächen, die nicht mehr für Futtermittel einschließlich Gras benötigt werden, der Natur zurückgegeben werden können. Folgende (Um-)Nutzungen sind denkbar:

– Mähen für Kompostmaterial oder Mulch. Dabei wäre die Energiezusammensetzung des Grünlands nicht so wichtig, wie für die Tierfütterung, d.h. auch eine extensivere Nutzung wäre möglich. Wichtig ist bei artenreichen Wiesen eine insekten- und wildtierschonende Mahd, dem Standort angepasst und nicht zu oft, so dass Wildblumen sich aussamen können.14 (Näheres zu bio-veganen Anbaumethoden siehe Frage 5).

Kleegrasdüngung. Kleegrasmischungen können je nach Artenzusammensetzung und Standort ein-, zwei- oder mehrjährig angebaut werden, also entweder in die Fruchtfolge einbezogen oder (ab fünf Jahren) als Dauergrünland genutzt werden. Für eine Düngung mit Kleegras gibt es verschiedene Möglichkeiten: es kann frisch oder nach einer Konservierung durch Silieren, Trocknen oder Kompostieren direkt auf Kulturen wie Mais oder Gemüse ausgebracht werden (siehe Versuche hierzu).

– Obstwiesen oder Obstbaumlebensgemeinschaften + Wiese bis hin zum Waldgarten (regionale, zumindest standortangepasste robuste Sorten, Mahd als Mulch für die Baumscheiben).15

– Wiesengras wird auch zur nachhaltigen Dämmung genutzt. Dazu werden aus dem silierten Gras – herkömmlichem Weidelgras – die Cellulosefasern herausgewaschen und getrocknet. Die überschüssige Brühe kann in einer Biogasanlage verwertet werden. Die Wiesengras-Dämmung ist gegenüber erdölbasierten und mineralischen Dämmstoffen umweltfreundlich in der Herstellung, gesundheitlich unbedenklich und leicht zu entsorgen, denn trotz geringem Zusatz von Borsalz (4%) für den Brandschutz sind die Fasern kompostierbar.

– Selbst Kunststoff kann aus Gras bzw. mit einem Grasanteil hergestellt werden.

– Aus Gras mach Gas: Erzeugung von Biogas (Graskraft) und Nutzung der anfallenden Reststoffe als Dünger (Grasgülle) – so kommen der Stickstoff und die Spurenelemente wieder zurück auf den Acker. Siehe hierzu das Titelthema und die Buchempfehlung im Regenwurm-Magazin Nr. 6: Grasgrüner Strom von der Wiese (Seiten 9ff). Hier finden sich noch weitere Verwendungsmöglichkeiten für den Rohstoff Gras.

Nicht nur domestizierte Tiere mögen
Wiesengräser und -kräuter.

– In dafür geeigneten Gebieten könnte die Entwicklung zu einem artenreichen Naturwald (Sukzession) zugelassen werden, bzw. können an Waldränder grenzende Grünlandflächen – auch zusätzlich zu anderen Nutzungen – den wilden Wiederkäuern zur Ernährung dienen, die in befriedeten Waldrandbereichen bevorzugt leben, anstatt aufgrund des Jagddrucks, in die letzten Winkel des Waldes getrieben, mit weniger geeignetem Futter – jungen Gehölzen – auskommen zu müssen. Das käme bei naturnaher Bewirtschaftung der Wälder auch der Forstwirtschaft zugute (weniger konzentrierte Verbissschäden im Wald).16 Allerdings sind gerade die Lichtungen – seien sie durch Verbiss oder Holzeinschlag entstanden – von Artenreichtum gekennzeichnet und somit in einem Naturwald besonders erwünscht.17
Ein Naturwald erfüllt zudem gegenüber Ackerflächen vergleichbare ökologische Vorzüge wie Wiesen und Weiden, bezüglich Klimaschutz (Kohlenstoffspeicherung), Biodiversität, Wasser-, Boden- und Erosionsschutz.

– Für das Klima, den Wasser und Bodenschutz sowie für die Artenvielfalt wäre in Zusammenarbeit mit Umweltverbänden auch die Wiedervernässung der (trockengelegten) Moorwiesen – wo immer möglich – anzustreben, denn Moore stellen einen wertvollen Kohlenstoffspeicher dar und funktionieren wie ein Filtersystem, welches das Grundwasser vor schädlichen Stoffeinträgen schützt.18

____________________

1 Der foodwatch-Report von 2008 zeigt, dass durch die Wiedervernässung von Moorböden und Ökolandbau 60% Treibhausgase eingespart werden können, sofern die Rindfleisch und Milchproduktion drastisch (um mindestens 70%) zurückgefahren würde.
2 Mitschrift aus einer Vorlesung von Prof. Wachendorf am 3.5.11 in der Uni Kassel-Witzenhausen FB Ökologische Agrarwissenschaften.
3 Briemle, G.: Landschaftsökologisch sinnvolle Mindestpflege von artenreichem Grünland und dessen erfolgsorientierte Bewertung S. 38.
4 Provieh: Rinder
5 Arbeits- und Investitionsaufwand fallen an für Zaunbau und -pflege, Wasserversorgung der Tiere und Pflege der Weiden. Sie werden geeggt, um giftige oder dornige Pflanzen zu unterdrücken und Fladen zu verteilen, Moorböden müssen gewalzt werden, nicht gefressene Aufwüchse müssen nachgemäht bzw. abgesägt und Kahlstellen nachgesät werden. (aus: Landwirtschaft in Baden-Württemberg: „Wiese- und Weidenutzung“. 28.11.2013 : Link nicht mehr erreichbar: h**p://www.hallo-landwirtschaft.de/wieseundweide.htm ).
6 Anita Idel: Ungenutzte Potenziale. Grünlandnutzung in Zeiten des Klimawandels – die globale Perspektive .
6a 3sat: „Sind die Bienen noch zu retten?“ aus der Filmreihe „Netz Natur“.
7 Wikipedia: Grünland
8 M. Schermer, C. Kirchengast: „Perspektiven für die Berlandwirtschaft“ S. 43f.
9 Siehe hierzu den Artikel von Renato Pichler: „Die Berggebiete: Ideale Region für die Viehwirtschaft?“
10 Wikipedia: Grünland
11 Briemle, G. ebd. S.52f
12 Marion Ruppaner: Zukunft für Wiesen und Weiden. Plädoyer für eine Umkehr im Umgang mit Grünland.
13 Siehe Punkt 9 in den Bio-Veganen Standards: „Vorgehensweisen zur Förderung des Umweltschutzes“.
14 Eine Möglichkeit hierfür: Vollmechanisierte Landschaftspflege in Naturschutz- und FFH-Gebieten.
15 Vgl. zur Obstbaumlebensgemeinschaft. G. und E. W. Kleber: „Gärtnern im Biotop mit Mensch. Das praktische Permakultur- und Biogarten-Handbuch für zukunftsfähiges Leben.“ Kevelaer 2010.
16 Es gibt Möglichkeiten der „Regulation der Wildbestände ohne Jagd“. Ein Artikel über Interessenkonflikte zwischen Land-, Forstwirtschaft, Jagdlobby und Jagdgegner_innen und konkrete Lösungsvorschläge.
17 Siehe als Beispiel das Landschaftskonzept Neckartal: „Artenreicher Wald muss Licht sein“.
18 Broschüre des Nabu: „Schutz und Entwicklung unserer Moore“

 

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