Es hat uns große Vorteile gebracht

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Anlässlich der Exkursion von BioVegaN zur Familie Langerhorst plauderte Margarete Langerhorst mit Ronny Wytek über ihren Betrieb und ihre Erfahrungen.

BioVegaN: Ihr wirtschaftet nun schon seit über 25 Jahren bio-vegan. Wie seid ihr zur bio-veganen Landwirtschaft gekommen?

Margarete Langerhorst: Wir hatten Milchschafe, vor allem für unsere Tochter. Und einmal hatte ich ein absolutes Schlüsselerlebnis. Ich melke die Schafe, sie müssen uns die Milch geben. Die Jungen schreien. Da dachte ich mir, Gottes Schöpfung kann nicht so unvollkommen sein, dass allein der Mensch es nötig hätte, sich von Tieren die Milch zu holen. Und obwohl ich sie wirklich sehr gern mochte, die Schafe, haben wir aufgehört. Wir waren schon drei Jahre vorher Vegetarier. Aber das war dann wirklich der Schritt, der uns auch später weitergeholfen hat.

Und habt ihr schon Betriebe gekannt, die biologisch-vegan wirtschafteten?

Wir wussten nicht einmal, dass es dieses Wort gibt. Anfangs wussten wir wirklich nicht, wie wir das machen sollten. Aber weniger von der Landwirtschaft her, das haben wir ziemlich gut in den Griff bekommen, sondern vielmehr von der Ernährung her, um wirklich sicher zu gehen, dass es zu keinen Mangelerscheinungen kommt. Wir haben dann einen offenen Brief an eine Vegetarierzeitung in Deutschland geschrieben. Da bekamen wir gute Rückmeldungen, auch von jemandem, der schon 25 Jahre lang vegan wirtschaftete. Der hat uns besucht und uns genau erzählt, wie er das macht. Wir haben es dann zwar nicht genau so gemacht wie er, aber wir haben erkennen können, ja, wir sind am richtigen Weg. Von da an haben wir immer mehr Leute kennen gelernt und heute kennen wir weltweit ganz viele.

Foto von Jakobus und Margarete Langerhorst in jüngeren Jahren

Jakobus und Margarete Langerhorst

Die Motivation biologisch-vegan zu wirtschaften war also ein ethischer Aspekt, du wolltest dem Jungtier die Milch nicht wegnehmen?

Und es hat dann für uns auch große Vorteile gebracht. Wir konnten mit viel weniger Land leben. Wenn wir Vieh halten, können wir nicht mehr so viel Gartenbau machen. Und das ist nicht so effektiv, man muss viel mehr Land bewirtschaften. Man kann es fast nicht mehr mit der Hand machen, braucht Maschinen und dann wird alles viel, viel teurer.

Das ist ja auch eine Besonderheit, dass ihr ohne Maschinen wirtschaftet. Was ist dabei der wichtigste Vorteil?

Man hat weniger Betriebskapital und somit kann man wirklich von weniger Land leben. Wer natürlich einen großen Betrieb hat, der kann nicht ohne Maschinen arbeiten, deswegen machen wir auch kein Dogma daraus. Aber es ist eine ganz gute Entdeckung, dass man mit wenig Betriebskapital von einem kleinen Land relativ gut leben kann, eben von Handarbeit. Interessanterweise erkennt die EU unseren Garten gar nicht als förderungswürdig an, weil er zu klein ist. Und wir leben nur vom Garten, die ganze Familie.

Wie hat sich die Vermarktung bei euch entwickelt, wie habt ihr da angefangen?

Das ging auch wieder total einfach. Wir haben das Reformhaus in Linz gebeten, ein Blatt aufzuhängen, damit die Menschen sehen, dass wir biologisch-vegan anbauen. So kamen dann die ersten Kunden. Und der Mann, der uns das Land verkauft hat, hat dafür gesorgt, dass unsere Lebensweise unglaublich schnell in der ganzen Gegend bekannt wurde. Daraufhin kamen viele Zeitungen, um diese absonderliche Art, zu arbeiten und zu leben, publik zu machen. Und so haben es die Leute erfahren, die das interessierte.

Unser Glück war, dass es nie Streit gab, weil wir die Überzeugung hatten, dass jeder Mensch das Recht hat, nach seinem Wissen und Gewissen zu arbeiten, solange er niemandem anderen damit schadet. Das hat uns von vornherein die Türen zu allen Menschen geöffnet.

Da kommen wir zur wirtschaftlichen Situation. Vielen Betrieben geht es finanziell immer schlechter. Wie ist es bei euch?

Wir versorgen unsere Kunden vorwiegend per Post. Manche bekommen jede Woche, manche seltener, das können sie sich aussuchen. Wir bauen für Menschen an, die unsere Art des Anbaues schätzen, und wir haben ein intensives Vertrauen zu den Naturgesetzen. Wir wissen ganz genau, dass wir immer so viele Kunden haben werden, wie wir versorgen können und nie mehr und nie weniger. Und das hat sich immer so bewahrheitet.

Jetzt ein bisschen mehr zum Gärtnerischen. Ihr habt ja als Vorbild im Gartenbau die Mischkultur nach Getrud Franck genommen.

Ursprünglich ja. Wir haben dann z.B. die Kleewege dazugenommen. Sie hat uns auch einmal besucht, und sie war so glücklich über unsere Arbeit und dass wir das öffentlich bekannt machen.

Gemulcht wird erst ab Juni. Am Anfang haben wir die Frühjahrsgründüngungen, die Spinatreihen und den Senf. Die decken den Boden relativ früh ab. Du hast ja gesehen, wir pflanzen direkt hinein in den Klee. Der steht meistens bis Ende Mai, je nachdem wann er ausgesät ist. Dann harken wir, alles bleibt liegen, und dann decken wir zu, entweder mit Kompost oder ohne, je nach Boden. Wenn wir zu früh mulchen, decken die Vögel durch das Kratzen im Mulch die kleinen Pflänzchen zu. Ab Juni, wenn die Pflänzchen größer sind, kann das nicht mehr passieren.

Jetzt kommt das große Thema, das so viele Menschen interessiert – die Schnecken. Wie ist das bei euch?

Am Anfang hatten wir 13 Jahre lang ganz große Schneckenprobleme. Im Freiland haben wir keine Schneckenprobleme mehr, seitdem wir den Boden so humusreich gemacht haben. Das haben wir nirgends lesen können, dass es mit dem Humusgehalt und dem pH-Wert zusammenhängt, aber wir haben das sehr genau beobachtet, weil es einfach 13 Jahre lang so schlimm war. Wo der Boden zu hart ist und zu wenig Humus hat oder zu sauer ist, da kommen die Schnecken. Jetzt haben wir das Problem nur noch im Frühbeetkasten, der eine relativ unnatürliche Situation ist. Als wir die Unterflurbewässerung eingebaut haben, ist der Boden natürlich durcheinander gekommen, und dann hatten wir die Schnecken wieder, wir waren sie vorher schon los. Und wir denken, dass sie in ein paar Jahren wieder weg sein werden, auch unter Glas.

Ihr erntet ja sehr viel, da geht Biomasse aus dem System. Kommt Biomasse auch wieder rein, glaubst du, dass das notwendig ist?

Viele Menschen glauben, wenn sie ernten, müssen sie genau so viel zurückbringen, auch von den Kilos her. Der Meinung bin ich nicht ganz, da bei uns sehr viel Gründüngung wächst. Wir bauen so viel Leguminosen an und das kommt alles in den Boden. Und dann haben wir viele Wiesen, die alle Sträucher und Bäume tragen. Die vielen Blätter düngen den Boden, und dann holen wir uns etwas Gras von den Wiesen. Unsere Nachbarn haben manchmal Gras, das nie gespritzt oder gedüngt wurde, einfach übrig und dann fragen sie, ob sie es uns bringen dürfen. Was wir noch verwenden, ist die Holzasche aus unserer Heizung, etwas Biolit, das ist Steinmehl, und ein bisschen Alpenkalk.

Habt ihr auch Bodenanalysen machen lassen?

Schon vor zehn, fünfzehn Jahren war unser Boden so derartig gut, dass die Kontrolleure, die damals da waren, ganz fasziniert waren. Beim Spatenstich haben sie gesehen, wie ungeheuer gut unser Boden von all den Kleinlebewesen durchgearbeitet ist. Sie haben dann Produkte mitgenommen, und auch die Erde, um den Boden bei ihnen im Labor zu untersuchen. Danach kamen sie zurück und wollten unsere Produkte kaufen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Ausgabe 3 des Magazins „Regenwurm“.

Autor*in des Artikels: Regenwurm Hefte

Das Bio-Vegane Netzwerk hat von Ende der 90er Jahre bis Ende 2005 den „Regenwurm – Die Zeitschrift für Bio- und Vegan-Interessierte“ herausgegeben. Auf biovegan.org/ werden wir den ein oder anderen Artikel daraus veröffentlichen. Außerdem werden wir nach und nach alle Hefte als PDF zum Download anbieten.

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2 Kommentare zu “Es hat uns große Vorteile gebracht

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