Erster veganer Bio-Dünger aus 100% Bio-Klee auf den Öko-Feldtagen vorgestellt

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Kleepura-Dünger im natürlichen Umfeld

Vegane und für den Bio-Anbau zugelassene Streudünger mit halbwegs ausgewogenen NPK-Verhältnis gibt es mittlerweile einige, wie das BVN bereits berichtete.

Aber häufig kommt die pflanzlich-organische Komponente aus der konventionellen Lebensmittelverarbeitung und der mineralische Anteil aus der Ausbeutung fossiler Ressourcen. Solche Düngemittel sind daher ambivalent zu betrachten: einerseits schließt das Recycling organischer Abfallstoffe gesamtgesellschaftliche Kreisläufe, andererseits stellen sie den Kreislaufgedanken des Ökolandbaus, der ohne externe Inputs auskommen möchte, infrage.

Nun aber ist es erfreulich, dass es mit „grünerdüngen“ ein Startup gibt, welches bei der Düngerherstellung auf 100% regionalen Bio-Klee setzt und auf mineralische Zuschläge, wie weicherdiges Rohphosphat verzichet. Der Dünger, der wie Hasenpellets aussieht, ist damit rein pflanzlich, also vegan und biologisch. „Deshalb sind wir auch bei der GfRS nach Naturland-Richtlinien bio-kontrolliert, um transparent zu machen, dass da nicht gemauschelt wird“, sagt Simon Scheffler, einer der drei Initiatoren uns gegenüber.

Im Grunde ist er sogar aus bio-veganem, also „viehlosem“ Anbau, denn Leguminosen-Pflanzen wie Klee sind nicht darauf angewiesen, dass man sie düngt. Sie sammeln an der Wurzel mit Hilfe von Knöllchenbakterien, mit denen sie in Symbiose stehen, Stickstoff (den wichtigsten Pflanzennährstoff) aus der Luft und nehmen ihn dann auf, um daraus Blattmasse zu bilden.

Das Projekt, in dem viele Jahre Forschung an der HTW Dresden stecken, hat sich nach Selbstauskunft der Weiterentwicklung des ökologischen Land- und Gartenbaus verschrieben. Das Ziel eines Forschungsvorhabens der Professur Ökologischer Landbau in Dresden war die Herstellung eines Düngemittels für den Bio-Gemüsebau ohne (konventionelle) Schlachtabfälle (z.B. Hornspäne, Blutmehle etc.) und Reststoffe aus der konventionellen Landwirtschaft. Daraus wurde ein alltagstaugliches Produkt.

Auf den von der FiBL Projekte GmbH organisierten Öko-Feldtagen 2017 auf der Hessischen Staatsdomäne Gut Frankenhausen, dem ökologischen Versuchsbetrieb des Fachbereichs Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel wurde der KleePura-Dünger im Bereich „Praxis trifft Forschung“ nun erstmals vorgestellt.

Auch der Bayerische Rundfunk berichtet unabhängig von den Öko-Feldtagen von der Neuentwicklung:

Der leicht nach Henna riechende Dünger mit einem NPK-Verhältnis von 3,5 – 0,8 – 3,4 ist vorerst preislich für das Endverbraucher-Segment zugeschnitten. Im verlinkten Video erklärt Beate Wunderlich wieso: die Herstellungskosten sind noch hoch, damit ist auch der anteilige – für Erwerbsgärtner interessante – Stickstoffpreis höher als z.B. der Preis für Stickstoff aus Hühnertrockenkot oder anderen Düngern aus der tierhaltenden Landwirtschaft (auch hierzu berichteten wir). Dennoch sind einige Gärtner schon jetzt bereit, der konsequent pflanzlichen Alternative den Vorzug zu geben. Simon Scheffler ergänzt uns gegenüber auch noch: „Außerdem sind in anderen Düngemitteln die Phosphorkomponenten zu hoch dosiert, als die Pflanze es eigentlich bräuchte.“ Bei KleePura ist nur das durch den Klee mobilisierte Phosphor enthalten, der Dünger schont damit fossile Ressourcen.

Nach Aussage der Entwickler eigne sich Klee auch besser als Körner-Leguminosen, um Stickstoff für den biologischen Landbau organisch zu binden. Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen und Soja sind einjährig und wachsen nicht nach, wenn man sie abgemäht hat. Anders der Weißklee, der ist ausdauernd und kann bis zu elf mal pro Anbausaison nachgeschnitten werden. Damit wird die Wirtschaftlichkeit von Kleegrasanbau nochmals herausgestellt.

KleePura entspricht damit auch insbesondere den Ansprüchen des Biozyklisch-Veganen Anbaus, der den Kleegrasanbau und die Grünlandbewirtschaftung als wichtiges Element zur Bereitstellung von organischer Substanz für den Pflanzenbau betrachtet.

Allgemeine Düngeempfehlungen die „grünerdüngen“ für das Produkt angibt:

  • 100g oder zwei Hände voll pro m² bei Aussaat/Pflanzung (allgemein oder für Schwachzehrer).
  • 300g oder vier Hände voll pro m² bei Aussaat/Pflanzung (für Starkzehrer wie Tomaten). Nach vier Wochen wird hier nachdüngen mit weiteren 100g pro m² empfohlen.

Ab Juli soll der Dünger über den Bio-Großhandel zu beziehen sein und online über die Webseite des Startups bestellbar sein.

Kontakt zu den Entwicklern kann man über www.grünerdüngen.de, www.kleepura.de oder per E-Mail an info@gruenerduengen.de.

Einige Bilder von uns vom zur Verfügung gestellten Muster:

 

Autor*in des Artikels: BVN

Das Bio-Vegane Netzwerk im deutschsprachigen Raum.

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2 Kommentare zu “Erster veganer Bio-Dünger aus 100% Bio-Klee auf den Öko-Feldtagen vorgestellt

  1. Sorry, aber auch Leguminosen brauchen Nährstoffe. Lediglich den Stickstoff können sie aus der Luft fixieren. Daher würde dieses Modell der „Düngung“ zu einem Nährstofftransfer vom Klee-Feld zum eigenen Garten/Feld führen und der Boden, auf welchem der Klee wächst, würde mit der Zeit an Nährstoffen verarmen.

    • Richtig, Weißklee entzieht auch P und K. Diese Nährstoffe werden entsprechend Schlagbilanz nachgedüngt, was bei viehlosen Betrieben wiederum z.B. über EU-ÖV zugelassene Grünschnittkomposte geschehen kann.
      Das Kleepura-Projekt hat über den reinen Stofftransfer noch die Rolle der Machbarkeitsstudie, bei der sich die Umsetzbarkeit der Aufwertungsmöglichkeit als streu- und lagerfähigen Dünger beweisen soll. Weitere Details erhalten Sie in der aktuellen Ausgabe der Ökologie & Landbau oder direkt bei Grüner Düngen.

      Freundliche Grüße.

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