Der wesentliche Unterschied ist die ethische Motivation

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Abschlussarbeit vergleicht bio-vegane Betriebe mit Forschungsergebnissen zum viehlosen Öko-Ackerbau

Foto mit verschiedenen Fachbüchern und ForschungspublikationenIn der Verbreitung der bio-veganen Landbauidee im deutschsprachigen Raum haben die Universitäten und Fachhochschulen des ökologischen Landbaus eine besondere Bedeutung. Die veganen Student_innen waren und sind es, die die Hochschulstandorte als Ausgangspunkt für den Aufbau eines bio-veganen Netzwerkes nutzten. Auch ihrem Interesse ist es zu verdanken, dass der bio-vegane Anbau immer wieder Thema für studentische Projekt- und Abschlussarbeiten ist und somit die Basis für weiterführende Forschungsarbeiten zum bio-veganen Anbau schafft.

Kürzlich an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (FH) in Eberswalde fertiggestellt wurde die Bachelorarbeit im Studiengang Ökolandbau und Vermarktung zum Thema „Die bio-vegane Landwirtschaft in Deutschland: Definition, Motive und Beratungsbedarf“. Die Autorin Anja Bonzheim, die sich selbst hauptsächlich vegan ernährt, sieht einen allgemeinen gesellschaftlichen Trend in der Hinwendung zum Veganismus mit seiner konsequenten Ablehnung von Tierprodukten, sowie einer gleichzeitig immer stärkeren Problematisierung der Tierhaltung und ihren negativen Auswüchsen im ethischen und ökologischen Bereich. Sie erkennt jedoch, dass „ein veganes Produkt auf dem Teller sehr selten auch in einer durchweg veganen Produktionskette“ und „auch im Ökolandbau nicht automatisch ohne tierische Bestandteile wie z.B. Gülle oder Haarmehlpellets als Dünger hergestellt“ wird.

Eine Landwirtschaft nach veganen Vorstellungen, wie sie in Großbritannien durch das Vegan Organic Network (VON) als Anbauverband vertreten wird, steht dem Konzept des Ökolandbaus mit seinem idealtypischen Gemischtbetrieb demnach fast diametral entgegen. Doch weil das bio-vegane Anbausystem, welches sich durch ein hohes Maß an ethischer Motivation auszeichnet, hierzulande bislang ohne rechte Definition und Abgrenzung zu anderen Anbausystemen auskommt und auch kaum wissenschaftliches Material darüber vorliegt, gibt es die Schwierigkeit, diese Wirtschaftsweise zu bewerten. Dieses gelingt nur, indem Schlüsse aus Arbeiten über den viehlosen Ökolandbau gezogen werden, eine Form des Ackerbaus bei der nur geringe bis garkeine Mengen tierischen Düngers zum Einsatz kommen. Herauszufinden war, ob die für diese Wirtschaftsweise spezifischen pflanzenbaulichen und ökonomischen Probleme mit jenen korrespondieren, welche in bio-veganen Betrieben bestehen.

Dafür hat die Autorin aus der vom Vegetarierbund gepflegten Liste zum bio-veganen Landbau drei Haupterwerbsbetriebe ausgewählt um die Betriebsleiter einerseits nach ihren Motiven für ihre Wirtschaftsweise zu befragen, die spezifischen pflanzenbaulichen Herausforderungen in Erfahrung bringen, sowie möglichen Beratungsbedarf als Hilfestellung zur Verbesserung der betrieblichen Situation festzustellen. Die Befragung ergibt, dass „die Merkmale einer bio-veganen Landwirtschaft […] vor allem die Gründüngung, der Anbau von Zwischenfrüchten, eine weite Fruchtfolge, sowie der vorbeugende Pflanzenschutz, z.B. durch Nützlingshabitate“ sind. Die Betriebsleiter gaben zudem an, dass die Motive für diese Art der Bewirtschaftung und das Auskommen ohne tierische Betriebsmittel ethischer, sozialer oder ökologischer Natur sind, „wodurch die Unterscheidung zum viehlosen Öko-Ackerbau vorgenommen werden kann, der vor allem betriebswirtschaftlich begründet ist.“

Die Herausforderungen im bio-veganen Betrieb lägen wie auch im viehlosen Betrieb im Bereich Pflanzenernährung, Beikrautdruck, Krankheiten und Schädlinge, Bodenstruktur und Ökonomie. Spezifisch problematisch seien die Sicherstellung guter Erträge, die Schaffung von Alternativen für tierische Düngemittel und die Verwendung des Futterleguminosen-Aufwuchses. Die Autorin rät, dass neben den pflanzenbaulichen Herausforderungen ein Beratungsangebot sich auch auf die spezifische Motivation der bio-veganen Betriebe zu fokussieren habe und schließt mit der Empfehlung zur Gründung eines bio-veganen Anbauverbands mit Richtlinienkompetenz, Zertifizierung, Beratung und Forschung.

Anja Bonzheim steht in engem Kontakt mit dem Biologisch Veganen Netzwerk, welches die Impulse aus ihrer Bachelorarbeit aufgenommen hat und derzeit dabei ist, mit verschiedenen Verbänden auszuarbeiten, wie eine gemeinsame Strategie den bio-veganen Landbau stärken könnte.

Die Arbeit ist hier als PDF-Datei abzurufen.

Bitte benutzen Sie unser Kontaktformular, um die Autorin der Arbeit zu kontaktieren.

Wir möchten gerne weitere Arbeiten zum bio-veganen Anbau und verwandten Fachthemen vorstellen und freuen uns über Einsendungen und Hinweise zu bereits erstellten Arbeiten. Auch wenn vegane Studierende zum Thema forschen möchten, geben wir gerne Tipps, Hinweise und thematische Empfehlungen. Ansprechpartner hierfür ist Daniel Mettke.

Autor*in des Artikels: Daniel Mettke

Dipl. Ing. (FH) für Ökologische Landwirtschaft und seit ca 2003 aktiv im BVN. Ich bin aktiv für bio-veganen Anbau und blogge auf biovegan.org über Aktivitäten des BVN und nahestehende, landbaubezogene Themen.

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