Bundestagswahl 2013 – Parteienbefragung zur Landwirtschaft ohne „Nutz“tiere

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Der Bundesverband Menschen für Tierrechte hat die fünf im Bundestag vertretenen Parteien zu tierschutzrelevanten Themen befragt. Der Verband verlangt von den Parteien ein scharfkantiges Profil zur Fortentwicklung des Tierschutzes, insbesondere die Unterstützung der Tierschutz-Verbandsklage, die Abschaffung von Tierversuchen und die Förderung einer „tierlosen“ Landwirtschaft (wobei sicherlich eine „nutz“tierlose Landwirtschaft gemeint ist, denn Bodentiere und Wildtiere sind für die zugleich geforderte Umweltverträglichkeit ja unabdingbar).
Im Rahmen des angestrebten „Paradigmenwechsel zu einer tier- und umweltverträglichen Landwirtschaft“ fordert der Verband unter anderem:

„Der Anteil einer boden- und umweltverträglichen tierlosen Landwirtschaft (Pflanzenproduktion) soll als zukunftsweisende Form der Landwirtschaft erhöht werden, hier sind Anreize durch Fördermaßnahmen zu schaffen.“

Die genauen Fragestellungen an die Parteien und deren Antworten können auf der Webseite des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte e.V. nachgelesen werden. Ich möchte hier nur die jeweiligen Äußerungen zur Frage nach der Förderung der „tierlosen“ Landwirtschaft kurz wiedergeben und kommentieren, bzw. aufzeigen, welche Parteien sich mit dem Thema offenbar noch nicht befasst haben oder zumindest eine Antwort schuldig bleiben.

Gleich vorweg: Keine der befragten Parteien gibt an, sich für eine Förderung der „tierlosen“ Landwirtschaft einsetzen zu wollen. CDU/CSU, SPD und Bündnis90/DieGrünen sind dem Thema ausgewichen, indem sie zur „tierlosen“ Landwirtschaft keine Stellung bezogen haben. Die FDP und die Linken lehnen eine „tierlose“ Landwirtschaft mit den folgenden Begründungen ab:

FDP: „Eine tierlose Landwirtschaft ist für uns nicht vorstellbar. Fördermaßnahmen in diese Richtung sind nicht Aufgabe der Politik, sondern es bleibt dem Landwirt überlassen, sich für eine tierlose Landwirtschaft zu entscheiden. Im Sinne der Kreislaufwirtschaft benötigt die Pflanzenproduktion jedoch organischen Dünger. Kompostierte pflanzliche Reste reichen nicht aus, um eine effiziente, ertragreiche Pflanzenproduktion zu gewährleisten.“

Ich frage mich, wie die FDP darauf kommt, dass nur kompostierte pflanzliche Reste als Düngung in Frage kommen und wie sie die guten Erträge bio-veganer Betriebe erklären wollen.
Zur immer wiederkehrenden Behauptung, dass Tierhaltung schon aus Gründen der Düngung notwendig sei möchte ich an dieser Stelle nochmals unseren offenen Brief an 3sat empfehlen: Tierhaltung ist ökologisch nicht notwendig oder auch die Antwort zur Frage nach der Nährstoffversorgung im bio-veganen Landbau.

Zu ergänzen wäre noch (am 5.9.), dass die einseitige Fixierung auf „Effizienz“ in der heutigen Pflanzenproduktion im Allgemeinen mit Monokulturen, Flurbereinigung, dem Einsatz synthetischer Düngemittel und Gifte und dem Einsatz von Einheitssaatgut- und Sorten einhergeht – auf Kosten der Gesundheit von Mensch, Tier und Boden(leben). Verloren gingen und gehen im Zuge der einseitigen Ausrichtung auf „Masse statt Klasse“ auch existenzsichernde Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und die Vielfalt robuster, samenfester und standortangepasster Sorten.

Linke: Eine spezielle Förderung einer umweltverträglichen tierlosen Landwirtschaft halten wir nicht für angemessen. Das würde z.B. in Grünlandgebieten weiter zum ökologisch problematischen Umbruch und zur Ausdehnung des Maisanbaus für die Biogasgewinnung beitragen.“

Grünlandumbruch ist nach den Richtlinien für bio-vegane Landwirtschaft verboten, sogar dann, wenn die Umweltbehörde kein Erhaltungsinteresse festgestellt hat.
Sinnvolle Grünlandnutzungen ohne Tierhaltung scheinen für die Linke offenbar nicht vorstellbar. Zur Weiterbildung sei Ihnen unsere Antwort auf die Frage was im bioveganen Landbau mit Wiesen und Weiden geschieht empfohlen. Hier finden sich die Nutzungsmöglichkeiten des Grünlands im bio-veganen Landbau in Gegenüberstellung zur Nutzung durch die tierhaltende Landwirtschaft.

Fazit:

Trotz der ablehnenden bzw. ausweichenden Antworten begrüße ich, dass die Parteien durch die Frage, ob sie „tierlose“ Landwirtschaft fördern wollen, mit dem wachsenden Interesse an einer Lebensmittelproduktion ohne Tierausbeutung konfrontiert wurden und hoffe, dass sie dem zukünftig durch entsprechende Fördermaßnahmen gerecht werden.

Autor*in des Artikels: Silke

Ich würde meine Grundnahrungsmittel künftig gern von einem Bio-Hof oder einer SoLawI aus der näheren Umgebung beziehen, der/die ohne Tierausbeutung wirtschaftet. Da dies gegenwärtig nicht möglich ist, setze ich mich als "frustrierte Verbraucherin" für die bio-vegane Landwirtschaft ein und gärtnere darüber hinaus seit 2003/2004 nach bio-veganen und permakulturellen Gesichtspunkten zur (Teil-)Selbstversorgung - zuletzt auf Sandboden (Geest) an der Nordsee nahe Cuxhaven. Bestandteile sind Obstbaumlebensgemeinschaften, ausdauernde Gemüse-, Obst- und Kräuterstauden, Intensivsegmente (einjährige Gemüse in Reihenfruchtfolge und Mischkultur) und Wildtierschutz/-gemeinschaft. Seit Frühjahr 2015 blogge ich über meine Gartenaktivitäten und -erlebnisse auf https://veganer-garten.de

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2 Kommentare zu “Bundestagswahl 2013 – Parteienbefragung zur Landwirtschaft ohne „Nutz“tiere

  1. In einem Interview antwortet Barbara Nauheimer, Bundesvorsitzende der Partei »Mensch Umwelt Tierschutz« auf die Frage:

    „Für die Landwirtschaft empfehlen Sie die artgerechte Tierhaltung als ‚Übergangslösung‘. Übergang wozu?“

    folgendermaßen:

    „Die Frage ist zunächst, ob es überhaupt eine artgerechte Tierhaltung geben kann. Letztlich sind wir für die Abschaffung der Nutztierhaltung. Auch deswegen, weil die Welt nur vegetarisch zu ernähren sein wird, vegan bei zunehmender Weltbevölkerung. Aber wir sehen es realistisch: Der Fleischkonsum läßt sich nicht von heute auf morgen abschaffen. Eine Zwischenlösung wäre die artgerechte Haltung.“

    Im Wahlprogramm der Tierschutzpartei heißt es zu den maßnahmen zur Agrarwende sogar unter Abschnitt C:

    „b. Einführung von Fördergeldern für die Umstellung auf rein pflanzliche Landwirtschaft, Höhe der Fördermittel abhängig von der Betriebsgröße bzw. Fläche“

    Da können sich die größeren Parteien mal ein Beispiel nehmen …

  2. Wenn die industrielle Landwirtschaft in der Zukunft mal von der Monokultur weg kommt, wenn sich folglich unser, den Planeten knechtendens ZinsGeldSystem, zu einem FreiGeldSystem gewandelt haben wird, dann wird kleinteilige Feldwirtschaft mit angepassten(teureren) Maschinen praktiziert werden können. Ich stelle mir interessante Spaziergänge über BioFeldWirtschaftsFlächen vor. Diese werden abwechslungsreich sein, zwischen genfreien Beständen (nicht patentiert) und der Einsatz von Schädlingsbekämpfung und Pestiziden wird fast gar nicht nötig sein. Sepp Holzer hat dazu ein Buch „Wüste oder Paradies“ geschrieben. Es sei jedem Menschen empfohlen.

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