Angepasste Technikentwicklung und Kompostierung zur Nährstoffrückführung in der veganen Landwirtschaft und im Gemüsebau. Unsere Perspektive.

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Von Nikola Schwarzer
, Kollektiv für angepasste Technik

Trockentoilette: skandinavisches Design (Quelle: pixabay.de)

Trockentoilette: skandinavisches Design (Quelle: pixabay.de)

Für eine effiziente [nicht nur] Bio-Vegane Landwirtschaft ist es notwendig, Nährstoffe bereit­zustellenund verfügbar zu halten. Um dabei langfristig verantwortungsvolle Systeme aufzu­bauen, müssen negative Auswirkungen wie beispielsweise der hohe Energiegebrauch und die Ausbeutung natürlicher Ressourcen vermieden werden. In diesem Sinne arbeitet KanTe [Kol­lektiv für angepasste Technik1], anwendungsorientiert an der Entwicklung und Umsetzung von ressourcenschonenden und kreislauforientierten Techniksystemen (a). Im konkreten Fall stellen Pflanzenkohle sowie menschliche Fäkalien großes Potential zur Nährstoffbereitstellung dar. Das Aufkommen pro Person und Jahr beläuft sich dabei auf 440 kg Urin (flüssig) und 25-50 kg Frischmasse Fäzes (fest)(b). Hierin enthalten sind ca. 4,6 kg Stickstoff und etwa 0,6 kg Phos­phor (b) . Durch den Einsatz von Trockentrenntoiletten können Ausscheidungen separiert gesammelt werden, was in der Behandlung und schließlich auch in der Anwendung große Vorteile mit sich bringt. Da die Keimbelastung in Urin zumeist sehr gering ist, kann dieser nach einer kurzen, in verschlossenem Behälter stattfindenden Lagerzeit verdünnt verwendet werden. Die Verwertung von Fäzes erfordert hingegen unbedingt eine weitergehende Hygienisierung. Diese kann auf verschiedenen Wegen erfolgen; am schnellsten durch einen 1-stündigen Pasteurisierungsprozess

Abbildung 1: Nährstoffpotenzial verschiedener organischer Abfallstoffe die pro Jahr in Deutschland anfallen * Nährstoffpotenzial von 20% der insg. anfallenden Lebensmittelabfälle, die direkt in Produktion oder Gewerbe anfallen ** Mengen von Fäzes und Urin als einwohnerspezifische Fracht berech­net, welche auf Grund der nicht stattfindenden getrennten Erfassung als theoretische Potenziale zu betrachten sind.

Abbildung 1: Nährstoffpotenzial verschiedener organischer Abfallstoffe die pro Jahr in Deutschland anfallen
* Nährstoffpotenzial von 20% der insg. anfallenden Lebensmittelabfälle, die direkt in Produktion oder Gewerbe anfallen
** Mengen von Fäzes und Urin als einwohnerspezifische Fracht berech­net, welche auf Grund der nicht stattfindenden getrennten Erfassung als theoretische Potenziale zu betrachten sind.

bei 70°C (c) . Die dadurchgewonnene, nährstoffreiche Organik sollte dann mit anderen Bioabfällen kompostiert werden. Verschiedene Kompostierungs- und Pflanzversuche haben zu deutlichen bis signifikanten positiven Effekten auf den Boden, das Pflanzenwachstum und die Pflanzenernährung geführt (c,d). Dabei wurde die gemeinsame Kompostierung von Fäzes und Pflanzenkohle nach dem Terra-Preta-Prinzip praktiziert. Eine der größten Herausforderungen bleibt die Risikoeinschätzung bezüglich Medikamenten und Hormonen, deren human- und ökotoxikologischer Wirkungen sowie deren Mobilität auf dem Pfad Fäzes-Kompost-Pflanze-Frucht-Mensch und die Erforschung möglicher Abbauprozesse.

Bisher werden Trockentrenntoiletten hauptsächlich privat und in kleinem Maßstab eingesetzt. Abhängig von den Ergebnissen des oben skizzierten Forschungsbedarfs, sehen wir es als mög­lich an, dass in Zukunft die Schließung von menschlichen Nährstoffkreisläufen auf den städ­tisch-ländlichen Raum ausgeweitet werden kann und menschliche Fäkalien (wieder) in das landwirtschaftliche Nährstoffmanagement integriert werden. Neue Strukturen zur risikofreien Verwertung menschlicher Fäkalien zusammen mit Pflanzenkohle könnten etabliert werden, welche natürliche Ressourcen schonen und nicht nur die Frage der langfristigen Nährstoffbe­reitstellung und Ernährungssicherheit beantworten.

Quellen:

  1. KanTe – Kollektiv für angepasste Technik, Berlin, www.kante.info

  2. S.A. Esrey, I. Andersson, A. Hillers, R. Sawyer. Closing the Loop – Ecological sanitation for food security. Technical report, Swedish International Development Cooperation Agency, Mexico, 2001.

  3. und Abbildung 1: Institut für Gemüse- und Zierpflanzebnbau, 2015, Arbeitsgruppe urban cycles, Großbeeren, igzev.de

  4. Ariane Krause, 2015, Promotionskolleg Mikroenergiesysteme, TU Berlin.

1 d.h. technischen Methoden, welche an räumliche und stoffliche Gegebenheiten, Nutzer*innen und ihre Möglichkeiten adaptiert entwickelt werden.

Nikola Schwarzer stellt Ansätze vor, die aus Zusammenarbeit mit u.a. Ariane Krause und Julia Klomfass entstan­den sind. Sie wirken an folgenden Institutionen mit: TU Berlin, Leibnitz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau e.V., Kollektiv für angepasste Technik (KanTe) und befassen sich mit res­sourcenschonender Nahrungsmittelproduktion durch u.a. Terra Preta Sanitation.

Autor*in des Artikels: BVN

Das Bio-Vegane Netzwerk im deutschsprachigen Raum.

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