Alternative Nutzungsformen von Kleegras im viehlosen Ökobetrieb

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von Daniel Hausmann, Biohof Hausmann

Blick über die Flächen des Biohofes Hausmann (Quelle: bio-hausmann.de)

Blick über die Flächen des Biohofes Hausmann (Quelle: bio-hausmann.de)

Im biologischen Landbau ist Kleegras die Hauptversorgungsquelle von Stickstoff und Kohlen­stoff, sowie ein wichtiges Element zur Bekämpfung und Vorbeugung von Beikräutern, und so­mit ein relevantes Standbein zur langfristigen Ertragssicherung (Freyer, 2003).

Im viehlosen Betrieb wird die Biomasse oft nicht genutzt, die Fläche als Brache verwendet. Da­bei treten dort keine direkten Einnahmen auf. Die Rentabilität wird durch die gesamte Frucht­folge bestimmt (Schmidt, 2004).

Oft wird das Kleegras gemulcht, das heißt, es wird mechanisch zerkleinert und auf der Bodeno­berfläche liegen gelassen. Dies geschieht in der Regel mit Hilfe von sogenannten „Schlegelmähern“. (Heuwinkel & Loges, 2004).

Dabei treten folgende Nachteile auf:

  • Die Mulchschicht erschwert das Wachstum der nächsten Periode, vor allem Klee hat es schwer, durchzuspitzen (auf Grund der breiten Blätter) – der Leguminosenanteil und die Fixierungsleistung sind somit in der Folgefrucht geringer (Heuwinkel & Loges, 2004).

  • Gasförmige Verluste (NH3, NOx) treten auf: 2-40% vom im Aufwuchs gebundenen Stickstoff entweicht (Larsson, et al., 1998). Zudem sind diese Gase klimaschädlich.

  • Das verrottende Material erhöht den Nmin Gehalt im Boden (Heuwinkel, et al., 2003, p. 71) dadurch entsteht ein Wachstumsvorteil für Gräser (Loges, 1998). Auch die Legumi­nosen bedienen sich des vorhandenen Stickstoffs, da eine Neufixierung energieaufwän­diger ist (Heuwinkel, et al., 2003, p. 71). Somit wird weniger Stickstoff aus der Luft ge­bunden.

  • Da viel Stickstoff im oberen Boden vorhanden ist, wächst die Gefahr der Auswaschung in tiefere Schichten (Ruhe, et al., 2003).

Insgesamt kann es zu einer Absenkung der Fixierung von Stickstoff um bis zu 45% kommen (Loges, 1998).

Folglich erscheint es sinnvoll, sich mit der Bergung und Nutzung des Kleegras-Schnittes zu be­schäftigen. Alternative Verwertungs-Prozesse wären beispielsweise die herkömmliche Kompos­tierung, eine Verwendung des Materials als Co-Substrat in Biogasanlagen, oder das sogenannte „Cut-and-Carry“ als eine besondere Art der Flächenkompostierung.

Gegenstand meiner Arbeit ist es, (1) die N-Verluste dieser Verfahren anhand einer Literaturre­cherche zu quantifizieren und (2) die alternativen Verwertungsansätze mit dem herkömmli­chen Ansatz des Mulchens anhand einer Nährstoffbilanzierung für einen fiktiven Acker zu ver­gleichen. Die Ergebnisse sollen bis Dezember 2015 fertiggestellt sein und werden in meiner Ba­chelorarbeit veröffentlich werden.

Zum Vergleich die N-Verluste, die bei der Tierhaltung (in Bezug auf Milchvieh) entstehen:

  • 20% des Stickstoffs werden direkt im Tier umgewandelt (Van Vuuren & Meijs, 1987)

  • weitere 20-30% entstehen bei Lagerung & Konservierung des Futters und der Exkre­mente (Lairgraid, et al., 1999, Berg, et al., 2002)

Die Verluste, die durch Tierhaltung entstehen, summieren sich somit auf 40-50% des vom Klee­gras während des Wachstums gebundenen Stickstoffs und sind mit denen, die durch das Mul­chen entstehen vergleichbar. Sowohl aus tierethischen Aspekten als auch aus ökonomischen Gründen (geringere Investitionskosten und weniger Arbeitsaufwand), ist der Einsatz von Klee­gras zum Mulchen in der bioveganen Landwirtschaft somit der Verwertung als Tierfutter in der tierhaltenden Landwirtschaft vorzuziehen. Zudem biete die (Weiter-) Entwicklung alternativer Schnittnutzungen viel Potential.

Literaturverzeichnis

  • Berg, M., Hörning, G. & Wanka, U., 2002. Ammoniak-Emissionen bei der Lagerung von Fest- und Flüssigmist sowie Minderungsmaßnahmen. In: Emissionen der Tierhaltung – Grundlagen, Wirkungen, Minderungsmaßnahmen, S. 151 – 162.
  • Freyer, B., 2003. Fruchtfolgen Konventionell – Intigriert – Biologisch. Stuttgart: Eugen Ulmer GmbH & Co.
  • Heuwinkel, H., Kaiser, M., Schildhalter, U. & Gutser, R., 2003. Mulchen von Kleegras ver­mindert den N gewinn: Ausmaß und Ursachen. In: Kongressband 2002 Leipzig – Vorträ­ge zum Thema „Ressourcenschutz und Produktsicherheit – Qualitätssicherung in der Landwirtschaft“. Bonn: VDLUFA – Verlag, p. 72f..
  • Heuwinkel, H. & Loges, R., 2004. Mulchen oder Schnittnutzung von Kleegras – Auswir­kung der Bewirtschaftung von Kleegrasbeständen auf den N-Haushalt von Fruchtfolgen. In: Viehloser Ökoackerbau. Berlin: Verlag Dr. Köster, S. 21-25.
  • Lairgraid, M., Bockman, O. & Kaarstadt, O., 1999. Agriculture Fertilizers & the Environ­ment. Wallingford: Cabi Publishing.
  • Larsson, L., Ferm, M., Kasimir-Klemedtsson, A. & Klemedtsson, L., 1998. Ammonia and nitrous oxide emissions from grass and alfalfa mulches. In: Nutrient Cycling in Agroe­cosystems 51. s.l.:Kluwer Academic Publishers, S. 41-46.
  • Loges, R., 1998. Ertrag, Futterqualität, N2 Fixierungsleistung und Vorfruchtwert von Rotklee und Rotkleegras Beständen. Kiel: Diss. Univ. Kiel. Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung.
  • Ruhe, I., Loges, R. & Taube, F., 2003. Stickstoffflüsse in verschiedenen Fruchtfolgen des ökologischen Landbaus – Ergebnisse aus dem COBALE-Projekt Lindhof. In: Beiträge zur 7. Wissenschaftstagung zum Ökologischen Landbau . Wien: Universität für Bodenkultur, S. 97 – 100.

Daniel Hausmann studiert Ökolandbau und Vermarktung an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Ebers­walde und arbeitet an einer Bachelorarbeit zum Thema „Alternative Verwertungsformen von Kleegras im viehlosen Ökolandbau – Organische Düngung im bio-veganen Landbau“. Er hat den Familienbetrieb 2012 übernommen und 2014 auf biologische Wirtschaftsweise umgestellt. Auf dem Hof werden keine „Nutz-“Tiere gehalten und keine tierischen Dünger verwendet.

Autor*in des Artikels: BVN

Das Bio-Vegane Netzwerk im deutschsprachigen Raum.

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